Holz und Holzprodukte

Holz und Holzprodukte



Geht es nach der Forstwirtschaft, dann hat sie bereits vor zwei Jahrhunderten das Prinzip der Nachhaltigkeit erfunden. Deutschland war damals weitgehend kahl geschlagen. Und in dem von Holzmangel geschüttelten Land entschloss man sich zur Einführung einer geregelten Forstwirtschaft, die nicht mehr Holz nutzen sollte als in den Wäldern nachwächst. Kritiker sagen, dass dies die Erfindung des monotonen Fichtenforstes war. Doch wie auch immer: Das Prinzip funktionierte und so stockt heute in deutschen Forsten mehr als genug Holz. 40 Millionen Kubikmeter Rohholz erzeugt Deutschland pro Jahr, und es könnte mehr sein. Mindestens 50 Millionen Kubikmeter Holz, so sagen Fachleute, sei schlagreif und könnte nachhaltig genutzt werden. Doch es fehlt an Absatzmärkten.

Deutsches Holz ist nicht für alle Zwecke geeignet und außerdem ist es mitunter teurer als die importierte Konkurrenz. Aus den neuen EU-Mitgliedstaaten im Osten drängt preiswertes Holz auf den gemeinsamen Markt, aus Skandinavien und Russland kommt Massenware wie Zellstoff oder Holzschliff, die vor allem zur Papierherstellung genutzt wird. Und dann gibt es noch hochwertige Tropenhölzer, die überwiegend als Halbfertig- und Fertigprodukte auf den deutschen Markt gelangen. Die jährlich nach Deutschland importierte Menge an Holz und Holzprodukten entspricht mit über 100 Millionen Kubikmetern Rohholz mehr als dem Doppelten der in Deutschland geschlagenen Holzmenge.

Nur wenige Importe sind aus ökologischer und sozialer Sicht unproblematisch. Oftmals stammen die Hölzer aus Naturwäldern, die damit ein für allemal verloren gehen. Vor allem in den Tropen treibt die zunehmende Erschließung der letzten Naturwaldgebiete durch die Forstwirtschaft die Waldvernichtung voran. Doch auch in den nördlichen Breiten Skandinaviens, Russlands und Nordamerikas sind die Wälder gefährdet. Kahlschläge und Übernutzung lassen hier die Waldfläche schrumpfen. Der Holzeinschlag ist damit wichtigster Auslöser des dramatischen Artensterbens und trägt in erheblichem Maß zur Freisetzung des Klimagases Kohlendioxid bei.

Nicht weniger gravierend sind die sozialen Folgen des Raubbaus an den Schatzkammern der Erde: Die im und vom Wald lebenden Menschen werden in vielen Regionen durch Waldvernichtung ihrer Lebensgrundlage beraubt. Dazu kommt die Ausbeutung von Waldarbeitern als Billigarbeitskräfte und die Vernachlässigung von Arbeitsschutzmaßnahmen. Auch kriminelle Machenschaften werden zunehmend aufgedeckt, vom illegalen Einschlag bis hin zur Verfolgung und Ermordung unliebsamer Journalisten und Umweltschützer durch die "Holzmafia". Immer deutlicher zeichnet sich darüber hinaus die Rolle des internationalen Holzhandels für die Geldwäsche heraus.

Angesichts des weltweiten Raubbaus läge es nahe, dass die deutsche Forst- und Holzwirtschaft Hand in Hand mit Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen für die Nutzung einheimischer Hölzer und gegen die Ausbeutung der Wälder und der Menschen in anderen Regionen der Erde vorginge. Doch weit gefehlt. Während die deutsche Forstwirtschaft sich selbst als Musterknabe in puncto Nachhaltigkeit betrachtet, konstatieren Kritiker im konventionellen deutschen Waldbau erhebliche ökologische Mängel und fordern eine naturgemäße Bewirtschaftung. Dieser Streit hat nicht zuletzt dazu geführt, dass in Deutschland zwei Waldzertifizierungssysteme miteinander wetteifern: Das von den Umweltverbänden unterstützte Siegel des Forest Stewardship Councils (FSC) und das von den Waldbesitzern initiierte Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes - PEFC).

Wie wichtig die Zertifizierung umwelt- und sozialverträglicher Holzprodukte ist, zeigen die regelmäßigen Funde von Gartenmöbeln, Holzbrettern und Papierprodukten aus Raubbau in Tropen und nördlichen Breiten in deutschen Läden. Die von Umweltgruppen wie Greenpeace oder Robin Wood initiierten Aktionen zeigen deutlich, dass selbst kreierten Öko-Zertifikaten und den Aussagen von Handel und Herstellern nicht zu trauen ist. Mehr Sicherheit und Transparenz beim Holzkauf ist nur gesichert, wenn die Herkunft des Holzes über die gesamte Produktionskette hinweg nachvollziehbar ist. Der erste Versuch, einen solchen Herkunftsnachweis weltweit umzusetzen, ist die so genannte "Chain of Custody" des Forest Stewardship Councils. Ein Grund mehr, auf das FSC-Siegel zu achten.

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