Wasserverbrauch

Viel Wasser für wenig Baumwolle

Etwa die Hälfte der weltweiten Baumwolle stammt von künstlich bewässerten Flächen. Verglichen mit anderen Kulturpflanzen ist der Baumwollstrauch ein durstiges Gewächs, in seiner Wachstumsphase braucht er riesige Mengen Wasser. So kostet ein Kilo Baumwolle zwischen 10.000 und 17.000 Liter blaues Nass, in sehr trockenen Gegenden wie dem Sudan können es sogar 29.000 Liter sein. In eine Badewanne passen etwa 140 Liter Wasser.

Der ursprüngliche und was Wasser betrifft nachhaltige Regenfeldbau weicht immer häufiger den industriellen Methoden großer Plantagen. In solchen Agrarbetrieben möchte man mit künstlicher Bewässerung das Wachstum und die Reife besser steuern können und sein Ernteglück von Niederschlägen unabhängig machen. Maßgeblich für die Höhe des Wasserverbrauchs ist die Wahl des Bewässerungssystems. Leider entschied man sich auf mehr als 95 Prozent der bewässerten Baumwollfelder für die verschwenderischste aller Methoden, weil sie einfach und billig ist: Bei der Oberflächenbewässerung wird auf den Äckern Wasser gestaut, von dem aber etwa 60 Prozent ungebraucht verdunsten, versickern oder durch Lecks in den Zuleitungen vergeudet werden. Solch eine Schwemme ist außerdem schlecht regulierbar und kann nicht auf den tatsächlichen Wasserbedarf der Baumwolle abgestimmt werden. Die sparsamste und effizienteste Methode ist die Tröpfchenbewässerung, die den Boden unter der Erdoberfläche mit Wasser "beimpft". Weil nichts verdunsten kann, gedeiht ein Kilo Baumwolle so mit "nur" 7.000 bis 9.000 Litern Wasser. Eine Tröpfchenbewässerung zu bauen ist aber sehr teuer, also hängt weltweit nur etwa ein Prozent der bewässerten Baumwollfelder "am Tropf".

Die verschwenderische Oberflächenbewässerung macht den Baumwollanbau zu einem Fass ohne Boden. Man schätzt, dass für die Kultivierung der Naturfaser derzeit etwa so viel Wasser verbraucht wird wie in allen privaten Haushalten der Erde zusammen. Entweder wird das Wasser über Tiefbohrungen aus dem Erdreich entnommen oder es werden für die Bewässerung großer Baumwoll-Flächen Flüsse umgeleitet, angezapft oder gestaut. Damit im Sudan Baumwolle gedeiht, werden jährlich 3,9 Kubikkilometer Wasser aus dem Nil auf die Äcker gepumpt. Das bekannteste Beispiel für die dramatischen Folgen der extensiven Wasserentnahme im Baumwollanbau ist der Niedergang des Aralsees, der größten durch den Menschen ausgelösten Naturkatastrophe. Vom noch vor wenigen Jahrzehnten viertgrößten Binnengewässer der Erde ist heute nur noch ein Drittel der alten Wassermenge übrig. Wegen der tragischen ökologischen und sozialen Auswirkungen und den furchtbaren Folgen für die Gesundheit von Millionen Menschen wird die Verwüstung des Lebensraumes Aralsee auch "Stilles Tschernobyl" genannt. Das Lebenselixier Wasser ist seit langem ein Politikum im Nahen Osten. Der hohe Wasserverbrauch im Baumwollanbau belastet die Beziehungen zwischen der Türkei, dem Irak, Israel und Jordanien. In westafrikanischen Ländern ist die künstliche Bewässerung von Baumwollfeldern hingegen noch vollkommen unüblich.

Weltweit sind die ökologischen Folgen der künstlichen Bewässerung die Versalzung und Erosion der Böden, das Aufbrauchen von Wasserreserven und vergiftetes Grundwasser. Angesichts der zu erwartenden Verknappung des immer kostbarer werdenden Wassers wird man den Baumwollanbau über lang oder kurz wassersparender anlegen müssen. Besonders, weil im Zuge des Klimawandels immer mehr Äcker künstliche Bewässerung brauchen werden. Untersuchungen zeigen bereits, dass die Baumwollpflanze mit dem durch Wasserknappheit bedingten Stress besser zurecht kommt als gedacht.