Gentechnik

Veränderte Gene bei Baumwollpflanzen

Gentechnisch veränderte Baumwollpflanzen der Sorte Bt Cotton (Biotech Baumwolle) wurden zum ersten Mal 1996 in den USA angebaut. Die transgene Baumwolle verteidigt sich mit einem Gift gegen Fraßinsekten. Die wehrhafte Pflanze soll einen Teil der Pestizide sparen und so die Produktionskosten für die Landwirte senken. Eine andere Genmanipulation macht Bt Baumwolle unempfindlich gegen Breitband-Pflanzenvernichter. Dadurch soll das Feld mit nur einem Herbizid frei von Unkraut gehalten werden können.

Diese Unempfindlichkeiten gegen Insekten und Herbizide kommen oft "gestapelt" in einer Bt Pflanze vor. Darüber hinaus forschen Gentechniker an Pflanzen, die unempfindlicher gegen Kälte, Hitze oder Trockenheit sind und auch an Orten wachsen können, die zu unwirtlich für die herkömmliche Baumwolle wären. Außerdem entwickeln sie Baumwolle mit längeren oder stärkeren Fasern oder Samen, die beispielsweise nicht mehr ihr natürliches, schwaches Gift Gossypol bilden und dadurch essbar werden.

Heute wird auf etwa 40 Prozent der Baumwollfelder genetisch manipuliertes Saatgut benutzt, das von Pharmakonzernen verkauft wird. Diese beeindruckende Zahl ist aber keineswegs Ausdruck einer bahnbrechenden Erfolgsgeschichte. Denn ob die Pflanzen auf dem Feld halten, was sie im Labor versprechen und wirklich die Produktivität steigern, hängt stark von den lokalen Gegebenheiten ab. Bevor man Bt Baumwolle anbaut, muss man wissen, dass sie dreimal so viel Wasser braucht, wie herkömmliche Pflanzen. Ohne künstliches Bewässerungssystem vertrocknen die Sträucher mit größerer Wahrscheinlichkeit und es drohen statt der erhofften Mehrerträge Missernten.

Ein weiteres Problem ist, dass die Baumwolle nur bestimmte Schädlinge abwehrt und die sind in manchen Landstrichen kaum vertreten. Stattdessen gibt es dort mehr andere Feinde. Die genetisch veränderte Baumwolle ist besonders anfällig für Schädlinge wie Pilze, gegen die ihr Gift nicht wirkt. In Regionen, wo die anderen Schädlinge stark sind, müssen Bauern mehr Pestizide als bei herkömmlichen Pflanzen versprühen. Dadurch steigen ihre Ausgaben statt zu sinken.

Zudem treten immer wieder plötzliche Schädlingsplagen im Bt Anbau auf, weil Insekten Stämme bilden, die immun gegen das Eigengift der Pflanzen sind. Auf solchen Feldern müssen drastisch erhöhte Insektizidmengen eingesetzt werden. Außerdem schadet das Gift der Bt Baumwolle auch anderen, mitunter nützlichen Insekten und erschwert den Umstieg auf den ökologischen Anbau.

Bt Baumwollpflanzen stehen darüber hinaus in der Kritik, weil sich aus ihnen kein Saatgut nachzüchten lässt. Viele Landwirte müssen Kredite aufnehmen, um jedes Jahr das teure Saatgut kaufen zu können. Bei einem Ernteausfall können sie die Schulden nicht zurückzahlen und verlieren im schlimmsten Fall ihr Land.

Ob man Textilien aus genetisch veränderter Baumwolle am Körper trägt, kann man kaum feststellen. Die Herkunft konventioneller Baumwolle lässt sich praktisch nicht zurückverfolgen und für gentechnisch veränderte Baumwolle besteht keine Kennzeichnungspflicht. Nur Baumwolle aus dem ökologischen Anbau ist verlässlich frei von Gentechnik. Umfangreiche Informationen zur Gentechnik im Baumwollanbau und im allgemeinen finden Sie im von der VERBRAUCHER INITIATIVE e.V. unterstützten Portal  www.transgen.de.