Ökologischer Anbau

Baumwolle aus ökologischem Anbau - Alternative und Modetrend

Immer mehr Verbraucher wollen sich mit Bio-Baumwolle kleiden, weil ihr Anbau die Umwelt schont, die Situation der Bauern und Arbeiter verbessert und weil sie frei von Gentechnik ist. Der junge Handel mit Bio-Baumwolle wächst, auch wenn sein Anteil am Weltmarkt noch sehr gering ist. Kleidung aus Bio-Baumwolle taucht nach und nach im Sortiment der großen Bekleidungshäuser auf. Dieser Trend deutet darauf hin, dass die "Öko-Baumwolle" auf dem Weg aus der Nische ist.

Der Baumwolle aus ökologischer Landwirtschaft wendet sich nicht nur eine steigende Zahl von Verbrauchern zu. Auch am anderen Ende der Produktionskette, bei den Bauern, wird der ökologische Anbau immer beliebter. Das liegt zum einen daran, dass Bio-Baumwolle im Schnitt einen 20 Prozent höheren Preis erzielt als konventionelle Baumwolle. Zum anderen schätzen die Landwirte weitere Vorzüge: Weil weder Kunstdünger, Pestizide noch Entlaubungsmittel eingesetzt werden dürfen, wird die Gesundheit der Feldarbeiter geschont. Zugleich sparen die Bauern die hohen Ausgaben für die künstlichen Mittel und das Grundwasser wird vor giftigen Verunreinigungen geschützt.

Außerdem erholen sich die ausgelaugten Böden, werden wieder fruchtbar und können Feuchtigkeit besser speichern. Dazu trägt bei, dass Bio-Baumwolle in Mischkulturen oder auf gemischten Bio-Farmen mit Fruchtfolge angebaut wird. Es entsteht ein Lebensraum, in dem sich auch die natürlichen Feinde der Schädlinge wohl fühlen und die Ernährungssicherheit der Bauernfamilien steigt. Ärmeren Kleinbauern fällt die Umstellung auf den ökologischen Baumwollanbau oft nicht schwer: Sie verwenden ohnehin keine nennenswerten Mengen von Pestiziden oder Kunstdüngern, weil sie sich diese Mittel gar nicht leisten können.
Dennoch geht die Ernte nach der Umstellung auf den biologischen Anbau zurück und steigt erst wieder an, wenn sich die natürlichen Bedingungen erholt haben und die Bauern den aufwändigen ökologischen Anbau beherrschen. Wenn chemische Rückstände nach drei bis fünf Jahren abgebaut sind, wird der Anbau als kontrolliert biologisch anerkannt und zertifiziert. Dann können die Bauern ihre Ernte zum höheren Bio-Preis verkaufen. In der Zwischenzeit müssen sie möglicherweise mit weniger Geld auskommen. Bei der Umstellung auf den ökologischen Anbau ist der Faire Handel deswegen von großer Bedeutung für Kleinbauern. Die höheren Einnahmen finanzieren die zeit- und ressourcenaufwändige Umstellung des Anbaus.

In Ländern, wo Frauen von Produktionsmitteln wie Kunstdünger und damit vom Baumwollhandel ausgegrenzt werden, eröffnet ihnen der ökologische Anbau die Möglichkeit, ein eigenes Feld zu bestellen. Denn so sind sie unabhängig von künstlich hergestellten Chemikalien. Im Benin liegt der Frauenanteil im Bio-Baumwollhandel bei 30 Prozent, vor sieben Jahren gab es hier noch keine einzige Frau.