Verarbeitung

Von der Baumwolle zum Stoff

Die Baumwollernte wird zum Nachreifen und Trocknen etwa 30 Tage gelagert. An den Fasern hängen noch schwarze Samenkörner, die manchmal klebrig sind. Unter Umständen stecken in den Fasern Stücke der holzigen Fruchtkapseln und Blätter. Zuerst kämmt deswegen eine Entkörnungsmaschine (Gin) die störenden Rückstände heraus sowie den Samenflaum (Linters). Übrig bleiben die langen Baumwollfasern, die von einer dünnen Wachshaut úmhüllt sind, die die Faser vor Nässe schützt. Garne und Gewebe aus Rohbaumwolle sind deswegen wasserabweisend. Normalerweise wird das Wachs aber abgelöst, damit die Baumwolle eine ihrer besten Eigenschaften entfalten kann: ihre hohe Saugfähigkeit. Aus 100 kg Rohbaumwolle erhält man etwa 35 Kilo Fasern, 62 Kilo Samenkörner und drei Kilo Abfall.

In der Spinnerei drückt eine Kardierungsmaschine die einzelnen Baumwollfasern zu Bändern zusammen, aus denen die Spinnmaschine das Baumwoll-Garn zwirnt, indem sie die Baumwolle dreht und dabei zieht. Weil Baumwollfasern wie Korkenzieher gewunden sind, lassen sie sich gut verspinnen: ihre Rundungen greifen fest ineinander und das, obwohl die Fasern eigentlich eine glatte Oberfläche haben. Das fertige Garn wird dann gefärbt und schließlich zu Stoffen verwebt.

Rohbaumwolle ist umso wertvoller, je länger die Fasern sind (Stapellänge). Denn lange Fasern lassen sich gleichmäßiger zu Garn verzwirnen, das dann besonders fein ist. Auch am Farbton und Glanz entscheidet sich der Wert. Denn Baumwolle wird in verschiedenen Schattierungen geerntet: von weiß über creme, gräulich bis hin zu braun. Teure Baumwolle hat lange Fasern, ist hell und glänzend.

Die textile Produktionskette

Sobald die Baumwolle den Bauern verlässt, geht sie in die textile Produktionskette ein und damit gewöhnlich auf eine lange Reise. Möglicherweise wird die Baumwolle in Indien geerntet und zu Garn versponnen, in China gewebt, auf den Philippinen gefärbt und in Bangladesch zu einem Kleidungsstück vernäht. Schließlich könnte die fertige Kleidung in einem osteuropäischen Land mit Etiketten, dem Label des Herstellers und dem Preisschild versehen werden. Es wäre genauso gut möglich, dass die Baumwolle in Thailand, Pakistan, Marokko oder einem anderen Land mit niedrigen Lohnkosten Station macht.