Eigenschaften und Veredelung

Natürliche Eigenschaften der Baumwolle

Verglichen mit Kunstfaser-Kleidung scheint man im Baumwolldress weniger zu schwitzen. Es fühlt sich angenehm trocken an und dazu weich, luftig und leicht. Wegen der besonderen Struktur der Fasern kann Baumwollkleidung viel Nässe aufnehmen. Bis zu 20 Prozent ihres Gewichts saugt Baumwolle an Körperfeuchtigkeit aufsaugen, ohne sich klamm anzufühlen. Allerdings braucht sie recht lange, um wieder zu trocknen.

Baumwollstoffe sind zähe Leichtgewichte: Substanzen wie Schweiß, Laugen oder die Mittel in der chemischen Reinigung machen ihnen nichts aus. Sie sind strapazierfähig und im nassen Zustand sogar noch reißfester als im trockenen. Gelegentliches Schrubben beim Waschen überstehen Baumwollstoffe daher ohne Blessuren. Baumwolle ist zudem ein hygienischer Stoff, weil sie gekocht werden kann. Nicht gut vertragen Baumwollstoffe dagegen starkes Licht und konzentrierte Säuren. Man kann sie mit hohen Temperaturen bügeln (bis 200 Grad), sollte sie aber nicht zu lange dieser Hitze aussetzen. Bügeln ist das Stichwort für einen der größten Nachteile von Baumwollstoffen: Sie knittern wegen der geringen Dehnbarkeit der Fasern. Außerdem laufen sie leicht ein.

Veredelung zumeist mit Chemie

Erfahrungen mit pflegeleichten Kunstfasern haben den Wunsch ausgelöst, Baumwollstoffe pflegeleichter zu machen. Um der Baumwolle Eigenschaften zu verleihen, die entweder bei der Verarbeitung des Garns oder der späteren Nutzung des Stoffs erwünscht sind, wird sie meist in einem chemischen Marathon veredelt (ausgerüstet). Bei der konventionellen Veredelung wird die Natur- einer Kunstfaser immer ähnlicher, wobei ihre guten Seiten teilweise verloren gehen. So sind Baumwollfasern wegen ein und derselben strukturellen Eigenschaft zugleich saugfähig und knitteranfällig. Wird der große Nachteil des Knitterns "ausgebügelt", verliert sich auch der große Vorteil der Feuchtigkeitsaufnahme.

Baumwolle wird geblichen, damit sich ihr gelblicher, grauer oder bräunlicher Naturton in reines Weiß verkehrt. Werden als Aufheller Chlorverbindungen eingesetzt, entstehen dabei stark giftige Dioxine. Weiße Baumwolle lässt sich gut färben. Das Kolorieren mit Azo- und Benzidinfarbstoffen gilt als krebserregend und ist in Deutschland verboten. Weil es aber ein billiges Verfahren ist, wird in Niedriglohnländern oft mit diesen Mitteln gefärbt. Fixiert wird die Farbe mit Nitro- und Nitroseverbindungen, die Allergien auslösen können. Einen waschbeständigen Glanz und mehr Reißfestigkeit erlangt die Baumwolle beim Mercerisieren, wo sie im Natronbad gespannt wird. Dafür, dass die Baumwolle bei der Wäsche nicht mehr als ein Prozent einläuft, sorgt ein rein mechanisches Verfahren, das Sanforisieren heißt. Mit Natronlauge und Schwefelsäure transparentierte Baumwolle ergibt durchscheinende Stoffe. Man kann sie aber auch aufrauen, damit sie die Wärme besser hält. So entsteht zum Beispiel Flanell. Bügelfrei ist der Stoff, wenn das Garn beim Verspinnen überdreht wurde und Synthetikfasern untergemischt oder Kunstharze in das Gewebe eingelagert werden. Kunstharze erhöhen die elektrostatische Aufladbarkeit des Stoffes und können die Haut reizen.

Neben diesen Ausrüstungen gibt es zahlreiche andere, denn kein textiler Rohstoff durchläuft so viele Veredelungsschritte wie die Baumwolle. Am Ende sind übliche Baumwollstoffe mit etlichen Chemikalien in Kontakt gekommen. Der größte Teil dieses "Cocktails" wird schließlich ausgewaschen. Doch immerhin rund zehn Prozent verbleiben im Gewebe. Die Aussage "100 Prozent reine Baumwolle" täuscht deshalb oft und ist keine Sicherheit für natürliche Ware. Laut Textilkennzeichnungsgesetz muss nur die Faser auf dem Etikett vermerkt werden. Wurden für ein Gewebe ausschließlich Baumwoll-Fasern verwendet, so kann das Produkt mit „100% Baumwolle“ gekennzeichnet werden – auch wenn noch große Mengen an Farbstoffen und Veredelungschemikalien, wie zum Beispiel Kunstharze, enthalten sind. In westlichen Ländern legen Gesetze fest, wie hoch die chemische Belastung der verkauften Textilien sein darf und welche Mittel verboten sind. Aber solche Gesetze werden in den baumwollverarbeitenden Ländern gewöhnlich nicht beachtet.

Empfindliche Träger leiden auch unter chemischen Spuren, die unterhalb gesetzlicher "Nachweisgrenzen" liegen. Zum Beispiel haben Allergiker ein erhöhtes Risiko, durch Rückstände in Stoffen gereizt zu werden. Auch Menschen, die stark schwitzen, sind besonders gefährdet. Der Schweiß kann die Schadstoffe aus der Kleidung lösen und sie auf die Haut übertragen. Neu gekaufte Textilien sollte man deswegen unbedingt waschen, bevor sie das erste Mal benutzt werden.

Der hohe Einsatz hunderter Substanzen bringt in den baumwollverarbeitenden Ländern große Entsorgungsprobleme mit sich und schädigt die Gesundheit der Textilarbeiter. Dabei könnte man viele Verfahren bei der Veredelung auch ohne gefährliche Chemie durchführen. Zum Färben gibt es eine rein natürliche Alternative: Vor einigen Jahren wurde in Peru farbige Baumwolle wiederentdeckt, die schon die Inka schätzten. Sie wächst in den beiden Nuancen braun und grün, wobei die Brauntöne auch ins rötliche gehen können.