Verwendung

Von Jeans bis Sprengstoff - Verwendung der Baumwollpflanze

Der Baumwollstrauch liefert den Rohstoff für unzählige Textilprodukte vom Hemd bis zum Handtuch. Insbesondere bei der Kleidung gibt es kaum einen Zweck, für den Baumwolle nicht geeignet wäre. In der Medizin wird sie wegen ihrer Kochfestigkeit geschätzt. Und im Wohnraum steckt sie in der Bettwäsche und im Kerzendocht, im Tischtuch oder im Vorhang. Aber die Baumwollpflanze gibt viel mehr als nur Stofffasern ab. Der Schriftsteller Erik Orsenna bezeichnete sie wegen ihrer vielseitigen Verwendbarkeit gar als "Hausschwein der Botanik".

Das Faserwachs der Baumwolle wird zu Konservierungs-, Gleit-, oder Schmiermitteln verarbeitet oder als Grundlage für Creme und Seife benutzt. Auch die Samenkörner wandern nicht in den Abfall, aus ihnen presst man ein hochwertiges Pflanzenöl. Weil die Samen das schwach giftige Gossypol enthalten, muss das Öl unbedingt raffiniert werden, bevor es zum Verzehr angeboten werden kann. So könnte es genießbar sein, wenn nicht die Belastung durch Pestizidrückstände wäre. Baumwollsamenöl aus dem konventionellen Anbau eignet sich wegen der enthaltenen Chemikalien eigentlich nicht als Nahrungsmittel. In armen Ländern ohne Verbraucherschutz gelangt es aber trotzdem in den Lebensmittelhandel, zum Beispiel als Margarine. Baumwollsamenöl wird häufig auch für technische Zwecke verwendet.

Die kleinen Samenkörner haben noch mehr zu bieten als das Öl. Sie sind richtige Eiweißpakete mit 23 Prozent Proteinen und teilweise die Grundlage für Eiweißpräparate. In manchen Regionen des Baumwollgürtels mangelt es an eiweißreicher Nahrung und die Pressrückstände der Baumwollsamen könnten dort einen wichtigen Beitrag zur vollwertigeren Ernährung leisten. Aber das giftige Gossypol steckt auch in den zerdrückten Samen. Deswegen enden die Pressrückstände und mit ihnen das wertvolle Eiweiß oft als Viehfutter für Wiederkäuer. Forscher haben die Baumwollsamen wegen ihres Eiweißgehalts im Visier. Sie wollen eine genveränderte Baumwollpflanze entwickeln, deren Samen das Gossypol nicht mehr enthalten und die dann ohne Aufbereitung essbar sind.

Aus der Rohbaumwolle wird außerdem der kurzhaarige Samenflaum (Linters) ausgekämmt, denn er eignet sich nicht für die Weiterverarbeitung zu Stoffen. Die Linters werden wegen ihres hohen Zellulosegehalts meist zu sehr reißfestem Papier gemacht, aus dem beispielsweise die Euro-Banknoten sind. Von der Lebensmittelindustrie werden sie zu Zusatzstoffen wie Stabilisatoren, Emulgatoren, Verdickungsmittel oder Füllstoff verarbeitet. Aus den Linters lässt sich außerdem die so genannte Schießbaumwolle herstellen, ein Sprengstoff auf Zellulosebasis.