Geschichte der Baumwolle

Geschichte der Baumwolle

Der Mensch fing vor sehr langer Zeit an, sich mit Baumwolle zu kleiden. Die ältesten Baumwollstoffe wurden in einer mexikanischen Höhle gefunden. Man schätzt das Alter der Fasern auf 7.000 Jahre. Es ist aber wahrscheinlich, dass Baumwolle schon viel länger in Menschenhand ist, denn auch in Indien und China machte man sehr alte Funde. Indien behauptete zwei Jahrtausende lang die weltweite Vormachtstellung in der Baumwollverarbeitung. Besonders meisterhaft gingen dort die Hindus mit der Naturfaser um. Schon damals benutzten sie einfache Entkörnungsmaschinen, Spinnräder und Webstühle. Damit stellten sie Baumwollstoffe her, von denen es hieß, sie fühlten sich auf der Haut an wie "gewobener Wind".

Im alten Rom galten importierte Baumwollstoffe als Luxusgut. Erst um das Jahr 1.000 brachten Sarazenen und Mauren die Baumwollpflanze im Schlepptau ihrer Eroberungszüge nach Südeuropa, wo sie in Spanien und auf Sizilien heimisch wurde. Dennoch blieben Baumwollstoffe bis ins 16. Jahrhundert ein Edelartikel. Venedig, Lissabon, Sevilla und Antwerpen wurden bedeutende Zentren der Baumwollverarbeitung und ein Großteil der rohen Naturfaser kam nach wie vor aus Indien. Doch eine umständliche Handelsroute verband Südasien mit Europa. Bald traten Italien und Portugal in einen Wettbewerb um die Entdeckung des Seewegs nach Indien. Auch Christoph Columbus war mit dieser Mission betraut, als er seine bedeutendste Reise antrat.

Dem Baumwollnachschub war mit der Entdeckung Amerikas zu diesem Zeitpunkt nicht geholfen, erst später erlangte die "Neue Welt" große Bedeutung im Baumwollhandel: Im 17. Jahrhundert führten die Engländer indische Baumwollsamen in nordamerikanische Gebiete ein, wo der Baumwollanbau binnen kurzer Zeit boomte. Um die helle Faser entspann sich bald eines der dunkelsten Kapitel der amerikanischen Geschichte: die Sklaverei. Afrikanische Sklaven schufteten auf den Plantagen, bewerkstelligten die aufwändige Ernte und das schwierige Entkörnen der Baumwolle.

Anfangs waren die Erträge noch zu gering, um den Weltmarkt zu erobern. Doch als James Hargraves 1764 den mechanischen Webstuhl "Spinning Jenny" erfand, war die Baumwollverarbeitung revolutioniert. Der endgültige Aufbruch in Richtung Massenware gelang 29 Jahre später, als Ely Whitney die Entkörnungsmaschine "Cotton Gin" entwickelte. "Cotton Gin" bürstete täglich aus 1.500 Kilo Rohbaumwolle Kapselreste und die teils klebrigen Samenkörner heraus. Ein "Cotton Gin" schaffte die Arbeitsleistung von 3.000 Sklaven, die nun zur Ernte auf die Baumwollfelder geschickt werden konnte. Infolge dessen wurden die Flächen für den Baumwollanbau stark ausgedehnt.

Zwischen Mitte des 18. bis Mitte des 19. Jahrhunderts kam der nordamerikanische Baumwollhandel zur Blüte und "King Cotton" dominierte den Weltmarkt. Im berühmten Dreieckshandel wurden afrikanische Sklaven, amerikanische Baumwolle und englische Stoffe gehandelt. Noch lange wurde in den USA Baumwolle in mühsamer Handarbeit gepflückt. Erst 1920 rollten die ersten Erntemaschinen über nordamerikanische Plantagen. Durch die Mechanisierung in Anbau, Ernte und Verarbeitung und die Ausweitung der Produktion wurden Baumwollgüter zur Massenware. Innerhalb von knapp einhundert Jahren waren die Herstellungskosten für ein Baumwolltuch auf etwa ein Prozent der Kosten von 1784 gesunken.