Weltmarktpreis

Der Preis des "Weißen Goldes"

Ein großes Problem im Baumwollhandel wurde die Entwicklung des Weltmarktpreises. Seit 1995, als ein Pfund Baumwolle noch 100 Cent wert war, unternahm der Baumwollpreis eine dramatische Talfahrt, die 2001 mit weniger als 30 Cent je Pfund ihren Tiefpunkt erreichte. Heute ist er mit unter 65 Cent noch sehr niedrig.

Gegenüber 25.000 Farmern in den USA bauen in den Entwicklungs- und Schwellenländern etwa 100 Millionen Kleinbauern Baumwolle an, weltweit leben 200 Millionen Menschen direkt oder indirekt vom Baumwollanbau. Der Preisverfall wirkt sich also direkt auf das Leben von vielen Männern, Frauen und Kindern aus. Besonders in afrikanischen Ländern ist Baumwolle ein wichtiges und manchmal das wichtigste Exportgut. Aber das Wenige, was die Kleinbauern dort derzeit mit ihrer Ernte erzielen, ist oft "zum Leben zu wenig und zum Sterben zu viel".

Der Preis für das "Weiße Gold" entsteht an den weltweiten Baumwollbörsen. Bedeutendster Umschlagplatz ist das New York Board of Trade (NYBOT). Der Weltmarktpreis hängt im wesentlichen davon ab, wie hoch die erwarteten und die tatsächlichen Ernteerträge sind und davon, wie viel Baumwolle nachgefragt wird. Zwei gigantische Volkswirtschaften haben einen großen Einfluss auf den Weltmarktpreis der Baumwolle: China und die USA. Fällt die Ernte in der Volksrepublik schlecht aus, kaufen die Chinesen für ihre Textilproduktion sehr viel Baumwolle vom Weltmarkt ein und der Preis des Rohstoffs steigt.

Umstritten ist die Rolle der USA: Mit ihrer Subventionspolitik schützt sie nicht nur die eigenen Farmer vor günstigeren Baumwollimporten, sie verzerrt auch den Weltmarktpreis. Der amerikanische Staat subventionierte den Baumwollanbau 2002 mit 3,9 Milliarden US-Dollar, wobei sich der eigentliche Wert der Ernte nur auf 3,1 Milliarden US-Dollar belief. Weil die US-amerikanischen Landwirte so viel Geld von der Regierung für ihre Baumwolle bekommen, bauen sie viel mehr an, als sie in ihrer Heimat absetzen können. Denn dort gibt es kaum noch baumwollverarbeitende Betriebe. Den Großteil der Ernte leitet die USA deshalb auf den Weltmarkt ("Dumping").  Diese Baumwollmassen schaffen ein künstlich hohes Angebot und der Weltmarktpreis wird nach unten verzerrt. Darüber, dass sie wenig Geld für ihren Rohstoff bekommen, brauchen sich die US-Bauern keine Sorgen machen - sie spüren die Verluste wegen der Subventionen nicht. Während Kleinbauern, die ihr Feld mit der Hacke bearbeiten und die Baumwolle mit der Hand pflücken, mit ihrer hochwertigeren und ökologisch gewonnenen Ware echte Verluste machen. Auch die EU und China subventionieren ihre Baumwolle. So schotten sie zwar ihre Binnenmärkte vor Importen ab, schaden aber dem Weltmarktpreis nicht so sehr wie die USA, denn sie führen kaum Baumwolle aus. Die Zukunft der Baumwoll-Subventionen ist ungewiss, auch die Welthandelsorganisation hat sie schon offen kritisiert. Zweifel scheinen selbst nordamerikanischen Baumwoll-Großhändlern wie Dunavant Enterprises zu kommen: das Unternehmen kauft schon heute stattliche Mengen des Rohstoffs in afrikanischen Ländern ein.

Einfluss auf den Baumwollpreis hat außerdem die Nachfrage nach synthetischen Fasern wie Polyester, die Baumwolle ersetzen können. Weil synthetische Fasern mit Öl gemacht werden, zieht der Ölpreis den Preis der Kunstfasern mit sich und beeinträchtig so indirekt als ein weiterer Faktor die Baumwollnachfrage.