Kolonialisierung

Kolonialisierung: Portugal markierte Anfang und Ende

Lange versprachen sich die Europäer nichts von der Erkundung Afrikas. Doch den Portugiesen Heinrich der Seefahrer wurmte die Abhängigkeit vom Handelsmonopol der Araber so, dass er im 15. Jahrhundert Expeditionen ausschickte, die eine maritime Handelsroute zum südlichen Afrika erschließen sollten.

Schon lange fürchteten die arabischen Händler einen solchen Vorstoß und hatten abenteuerliche Geschichten über die tödlichen Gefahren der Seefahrt in westafrikanischen Gewässern verbreitet. Heinrichs eingeschüchterte Spähtrupps bewegten sich aus Furcht vor am Äquator brodelnd kochendem Wasser und schauerlichen Meeresungeheuern nur zögerlich die Westküste Afrikas entlang. Doch als die Männer das öde, salzsumpfige Ufer des heutigen Mauretaniens passiert hatten, entdeckten sie das verheißungsvolle Hinterland der Sahara.

Umgehend begannen die Portugiesen mit Sklaven zu handeln, die nach Europa oder auf Zuckerplantagen außerhalb Europas verschifft wurden. 1482 baute Portugal an der "Goldküste" (heutiges Ghana) die erste ständige europäische Niederlassung südlich der Sahara. Das florierende Geschäft mit Sklaven, Gold und Elfenbein lockte weitere europäische Mächte an: England, Schweden, die Niederlande, Preußen und Frankreich errichteten eigene Stützpunkte und ab dem 19. Jahrhundert teilten die Europäer ganz Afrika in militärischen Invasionen weitgehend unter sich auf. Franzosen und Briten beherrschten Westafrika, dessen Kolonialisierung 1922 abgeschlossen war, als Frankreich Niger gegen den erbitterten Widerstand der Bevölkerung eingenommen hatte.

Die willkürliche Abgrenzung von Gebieten nahm keine Rücksicht auf darin lebende ethnische Gruppen. Siedlungsräume von Stämmen wurden von Grenzen durchschnitten oder traditionell verfeindete Völker gehörten auf dem Papier plötzlich zu einer Nation. Damit verbundene Spannungen führen auch heute noch zu Konflikten. Unabhängig wurden die westafrikanischen Kolonien zwischen 1957 und 1961 mit Ausnahme von Guinea Bissau, das von Portugal erst 1974 anerkannt wurde.

Missionierung
Mit den Europäern brachen christliche Missionare über Westafrika herein. Sie gründeten Mitte des 19. Jahrhunderts Schulen nach dem Vorbild schulischer Einrichtungen in den Mutterländern. Die Missionare sahen das traditionelle Wissen der Einheimischen als minderwertig an und vermittelten es nicht, obwohl es für die Schüler eine wirkliche Lebenshilfe dargestellt hätte. Stattdessen prägten sie den Kindern ein, dass die afrikanische der westlichen Gesellschaft unterlegen sei. Die Schüler sollten sich ihrer kulturellen und landwirtschaftlichen Wurzeln schämen. Folge dieser moralischen Misshandlung war eine kollektive Entfremdung der Afrikaner von der eigenen kulturellen Identität, die bis heute nachwirkt.

Sklavenhandel
Menschenhandel ist Teil der afrikanischen Geschichte verschiedener Epochen. In Antike und Mittelalter mangelte es Wohlhabenden an Arbeitskräften, denn Afrika war wegen der hohen Sterblichkeit durch Krankheiten und Hungersnöte chronisch unterbevölkert. Versklavt wurden zu jener Zeit vor allem Kriegsgefangene. Doch die Europäer überzogen Afrika mit einem nie zuvor gekannten Terror aus Menschenhatz und Sklavenhandel. Europäische Mächte sahen in Afrika kaum mehr als ein "Gehege zur Handelsjagd auf Schwarze“.

Bis in das späte 19. Jahrhundert hinein verantworteten die Kolonialmächte in jedem Jahr die Versklavung Zehntausender, die entweder in anderen Regionen des Kontinents gegen Gold getauscht oder nach Übersee verschleppt wurden. Zahllose starben einen elenden Tod wegen der drastischen Methoden der Sklavenjäger und der barbarischen Transportbedingungen, insbesondere auf den Sklavenschiffen nach Amerika. Dort wurden die Versklavten auf Plantagen so schwer ausgebeutet, dass sie oft nach wenigen Jahren verendeten.

Zu trauriger Bekanntheit gelangte der Dreieckshandel: In Afrika kauften Europäer mit Waren wie Waffen oder Schnaps billig Sklaven ein, die in Amerika gegen Gold, Silber und später Plantagenprodukte zur Weiterverarbeitung in Europa getauscht wurden. Der transatlantische Sklavenhandel wurde 1807 offiziell abgeschafft aber von spanischen Kaufleuten bis Ende des 19. Jahrhunderts weitergeführt. Man schätzt die Zahl der von den Kolonialmächten versklavten Afrikaner auf 50 Millionen und der Menschenhandel entriss ganzen Volksgruppen ihren jungen, gesunden und kräftigen Kern.