Wirtschaft

Wirtschaft

Im 19. Jahrhundert erschlossen die Europäer Anbaugebiete in Westafrika. Großflächige Plantagen wurden angelegt und produzierten Kaffee, Kakao, Erdnüsse, Baumwolle, Palmöl, Bananen, Zucker, Kautschuk und Ananas. Darüber hinaus wurden edle Tropenhölzer massenhaft exportiert. Den Handel wickelten die Europäer über Seewege ab und beendeten damit die Ära der Karawanen.

Schiffe, die an Westafrikas Häfen anlegten, waren nicht leer, sondern randvoll mit Fertigwaren aus Europa: Afrika wurde zum wichtigen Absatzmarkt und das Import-Export-Geschäft war so lukrativ, dass die Kolonialmächte wenig Interesse hatten, die afrikanischen Gebiete nennenswert zu industrialisieren. Selbst einfachste Gebrauchsgüter konnten nicht vor Ort produziert und mussten eingeführt werden. Spätere Versuche afrikanischer Staaten, mit westlicher Hilfe eine eigene Industrie aufzubauen scheiterten oft an regionalen Gegebenheiten, die in der Planung nicht beachtet wurden.

Heute gehören die Länder Westafrikas zu den ärmsten der Welt. Lohnarbeit ist knapp und die meisten Menschen ernähren sich als Selbstversorger von dem, was ihre Felder oder Tiere hergeben (Subsistenzwirtschaft). Die Bruttoinlandsprodukte sind eng an landwirtschaftliche Exportgüter oder die Rohstoffausfuhr geknüpft und schwankende Weltmarktpreise dieser Waren schlagen massiv auf die schwachen Volkswirtschaften durch. Trotz der Exporte schließt der Außenhandel meist mit einem Defizit ab, weil der Wert der Einfuhren den der Ausfuhren übersteigt, und die Staaten sind hoch verschuldet.

Die Mangelwirtschaft verhalf der Schattenwirtschaft mit Schmuggel, Schwarzmarkt und informellem Arbeitsmarkt zur Oberhand während Staatsdienst und Unternehmen von Korruption geprägt sind. Weil Steuersysteme fehlen oder nicht etabliert sind, nehmen westafrikanische Staaten kaum Geld aus ihren eigenen Volkswirtschaften ein und sind massiv auf ausländische Finanzhilfe angewiesen. Die Abwesenheit eines vertrauenswürdigen Fiskus hat einen weiteren entscheidenden Nachteil: Steuern sind wichtig für eine funktionierende Zivilgesellschaft, weil die Bürger den Staat stärker in die Pflicht nehmen, wenn sie ihm Geld gegeben haben.

Landwirtschaft
Die Landwirtschaft ist der wichtigste und ein zugleich schwer vernachlässigter Wirtschaftssektor Westafrikas. Auf dem Land zu leben wird immer mühseliger und perspektivloser, die Armut verschlimmert sich ständig. Dass man es verpasste, den ländlichen Raum besser zu entwickeln rächte sich bitter, als die notorische Abhängigkeit von Nahrungsmittelimporten unlängst die Ärmsten der Armen wegen der gestiegenen Lebensmittelpreise in eine verzweifelte Lage brachte. Experten hoffen, dass dieser Schock mittelfristig zur Stärkung der heimischen Landwirtschaften führt.

In Westafrika ist der Wanderfeldbau als traditionelle Anbaumethode noch verbreitet: Nach einigen Jahren auf einem Stück Land ziehen die Bauern zum nächsten Acker. Früher lagen verlassene Felder bis zu 20 Jahre brach, bevor sie wieder bewirtschaftet wurden und regenerierten sich. Wegen des Bevölkerungswachstums wandern aber immer mehr Bauern und die Böden ruhen nur noch drei bis fünf Jahre mit der Folge dass die überbeanspruchte Erde schwindende Erträge hergibt.
 
Natürliche Ressourcen
Die westafrikanischen Regionen sind unterschiedlich reich an Bodenschätzen, es gibt ein Gefälle von Süd nach Nord. Während im tropischen Küstenstreifen und Meer große Öl- und Gasvorkommen lagern, ist die Sahelzone soweit bekannt arm an fossilen Energieträgern. Auch Gold sowie forst- und landwirtschaftliche Erzeugnisse kommen eher aus dem südlichen Westafrika, wie auch Diamanten, Bauxit, Zinkerz, Mangan, Eisenerz, Phosphat, Uran und andere Bodenschätze.

Neben dem Öl bietet das Meer Fischvorkommen, die nicht unbemerkt blieben: Da die Gewässer rund um Europa überfischt sind, verschaffte die EU ihren Flotten Zugang zu den Fischgründen vor Westafrika. Das gleiche haben Russland und einige asiatische Länder getan. Deswegen brechen inzwischen auch in Westafrika die Fischbestände zusammen zum Leidwesen der Bevölkerung, die auf die eiweißreiche Nahrung aus dem Meer angewiesen ist.

Seit einigen Jahren verzeichnen viele afrikanische Ökonomien positive Wachstumsraten, doch dieses Wirtschaftswachstum fußt vor allem auf der Ausbeutung von Rohstoffen durch ausländische Konzerne und schafft so gut wie keine Arbeitsplätze. Auch von den erwirtschafteten Gewinnen bleibt nur wenig in den afrikanischen Ländern hängen. Deswegen ist es fraglich, ob die größte ökonomische Bürde – die massenhafte Arbeitslosigkeit – künftig leichter wird. Hinzu kommt, dass die Einkommen sehr ungleich verteilt sind – also wenige Menschen viel haben und viele Menschen wenig. Deswegen sagt das rein rechnerische Pro-Kopf-Einkommen wenig über den Wohlstand des Durchschnittsbürgers aus und kann nur vergleichende Orientierung geben.

Elfenbeinküste

Burkina Faso

Mali

Ghana