Frauen

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Frauen werden in den männerdominierten Gesellschaften Westafrikas schwer benachteiligt: In den Schulen sitzen weit mehr Jungen als Mädchen und in manchen Gegenden können acht von zehn Frauen weder lesen noch schreiben. Viele Eltern denken, dass es sich nicht lohnt, in die Ausbildung eines Mädchens zu investieren, weil Töchter oft früh verheiratet werden und nach der Hochzeit zum Clan des Ehemannes gehören.

Eine durchschnittliche Westafrikanerin bekommt fünf bis sieben Kinder. Weil kundige Hilfe meist fehlt, ist die Niederkunft gefährlich: In Mali stirbt bei einer von 170 Geburten die Mutter. Westafrikanerinnen, die beschnitten sind, haben ein höheres Risiko für Komplikationen bei der Entbindung. In Sierra Leone und Mali werden 90 Prozent der Mädchen genital verstümmelt und die grausame und oft unter äußerst unhygienischen Umständen durchgeführte Prozedur ist in anderen Ländern der Region ebenfalls verbreitet.

Auch im Westen Afrikas kümmern sich Frauen um alle Belange des Haushalts und der Ernährung und sorgen für Kinder und Angehörige. Da der Löwenanteil der alltäglichen Arbeiten in diese Bereiche fällt, tragen Frauen besonders in ländlichen Gegenden die Hauptarbeitslast. Schon im Kindesalter arbeiten Mädchen doppelt so viele Stunden wie Jungen und dieses Verhältnis bessert sich auch im späteren Leben nicht. Westafrikanerinnen leisten bis zu 80 Prozent der Feldarbeit und durch die sich verschlechternden Anbaubedingungen (z. B. sinkende Bodenfruchtbarkeit) wird die Landwirtschaft immer aufwändiger und beschwerlicher.

Obwohl sie am meisten arbeiten, sind Frauen am häufigsten von Hunger betroffen. Denn auch in Westafrika steht es den männlichen Familienmitgliedern zu, sich zuerst am Essen zu bedienen und was übrig bleibt, dürfen sich die Frauen nehmen. Von Arbeit und Armut ausgezehrt haben Westafrikanerinnen eine Lebenserwartung von gerade 47 Jahren.