Historische Reiseberichte

Historische Reiseberichte

Die Tuareg sagen "Reisen heißt leben lernen“, aber so leicht wie das Nomadenvolk taten sich viele der ersten europäischen Besucher Westafrikas nicht mit der Fremde. Ein berühmt-berüchtigter Afrikaforscher war der Schotte Mungo Park, der mit dem Boot den Verlauf des Niger erkundete. Auf seiner zweiten Expedition, die er selbst nicht überlebte, zog er eine Blutspur nach sich, weil er aus Angst vor Überfällen auf jeden schießen ließ, der sich den Flussufern näherte.

Über den Moment, als Park den Fluss 1796 zum ersten Mal erblickte, schrieb er später: "Als ich nach vorn schaute, sah ich mit unendlicher Freude das großartige Ziel meiner Mission; der lang gesuchte majestätische Niger, glitzernd in der Morgensonne, so breit wie die Themse bei Westminster, und langsam in östlicher Richtung fließend.“ T.C. Boyle machte Park zur Hauptfigur seines Romans "Wassermusik“ und schilderte den gleichen Augenblick: "Sie durchquerten ein dunkles, dicht bewachsenes Waldstück, wo es auf allen Seiten plötzlich eng wurde, kamen um eine Biegung und hielten den Atem an – vor ihnen erstreckte sich der Niger, ozeanisch, von grauen Nebeln verhangen. Bäume standen im Wasser wie Frauen, die ihre Röcke lüpfen, und das Ufer war voller Menschen.“
 
Der Deutsche Heinrich Barth war ein Afrikaforscher, der die Bewohner des Kontinents als Seinesgleichen betrachtete. Er erlernte mehrere afrikanische Sprachen nahezu perfekt, um sich ohne Dolmetscher mit den Einheimischen unterhalten zu können. Seine zweite Reise (1849 bis 1855) führte ihn in die damals sagenumwoben reiche Wüstenhandelsstadt Timbuktu im heutigen Mali, deren gebildete Einwohner ihn tief beeindruckten: "(Timbuktu war) der berühmte Sitz mohammedanischer Gelehrsamkeit (...); keine Stadt des Reichs besaß so stattliche Moscheen, keine überhaupt so schöne und massive Gebäude.“
 
Noch heute begeistern die Afrikareisen der mutigen Britin Mary Kingsley, deren unterhaltsam geschriebene Reiseberichte voller Esprit ihrerzeit reißenden Absatz fanden. Kingsley machte sich 1892 allein und ohne Kenntnisse der französischen oder einer afrikanischen Sprache auf nach Westafrika. Als erste Europäerin erkundete sie abgelegene Gegenden der Region und besserte ihre Finanzen auf, indem sie Handel trieb. Typisch für ihre Erscheinung war die viktorianische Trauerkleidung, die sie seit dem Tod ihrer Eltern trug und konsequenterweise auch in Afrika nicht gegen einen praktischeren Aufzug eintauschte.

Kingsley lebte mit Einheimischen, die ihr zeigten, wie man im Dschungel zurecht kommt. Begeistert von Land und Leuten durchstand sie einige Abenteuer, wie die Begegnung mit einem Nilpferd, das sie angeblich vertrieb, indem sie es mit ihrem Sonnenschirm hinter dem Ohr kratzte. Legendär ist ihre Übernachtung bei den kannibalischen Fang: In ihrer Hütte bemerkte die Britin einen ungewöhnlichen Geruch und Taschen, die von der Decke hingen. Kingsley erkundete von einer den Inhalt: eine Hand, drei große Zehen, vier Augen und andere Teile des menschlichen Körpers. Kingsley notierte: "Obwohl die Fang Mitglieder ihrer freundlichen Nachbarstämme verzehren, heben sie augenscheinlich doch gern ein paar Kleinigkeiten zur Erinnerung auf. Von diesem anrührenden Zug in ihrem Wesen erfuhr ich durch Wiki.“

Mehr als 100 Jahre nach Mary Kingsleys Erkundungen sind westafrikanische Staaten noch immer keine typischen Reiseländer und eher ein Ziel von Rucksacktouristen. Mit steigender politischer Stabilität könnte sich das aber in naher Zukunft ändern. Traumstrände wie in der Karibik, atemberaubende Landschaften und Nationalparks, faszinierende Kultur und gastfreundliche Menschen – Westafrika hat trotz seiner Armut Besuchern viel zu bieten.