Die Niederländische Ostindien-Kompanie

1602 entstand die Niederländische Ostindien-Kompanie (VOC), die sich auf eine damals revolutionäre Weise mit Kapital versorgt hatte: Sie gab Wertpapiere an Aktionäre aus und wurde außerdem der erste multinationale Konzern der Welt. Bald beherrschte das Unternehmen die Gewürzroute von Europa über das Kap der Guten Hoffnung bis zu den Molukken, einer Inselgruppe im heutigen Indonesien. Die zentralen Umschlagplätze der VOC waren Antwerpen und später Amsterdam sowie Batavia (heutiges Jakarta). Aus den asiatischen Kolonien pressten die Niederländer heraus, was ging und dabei waren sie auf loyale Gefolgsleute angewiesen. Diese Bediensteten mussten nicht nur in den Garnisonen vor Ort Präsenz zeigen, sondern stellten auch die mehr als 30.000 Mann starke Besatzung der mehr als 200 Schiffe zählenden Frachtflotte der VOC. Ständig wurde „frisches" Personal benötigt, denn die Reisen waren vor allem wegen Krankheiten und Militärstrafen verlustreich. Von den 317.800 Mann, die im 17. Jahrhundert von der VOC nach Asien geschickt wurden, sahen nur gut 36 Prozent ihre Heimat wieder. Mehr als die Hälfte der Angeheuerten stammte aus europäischen Nachbarländern, die Deutschen bildeten die bei weitem größte Gruppe. Vom seefahrterprobten Hanseaten bis zum bodenständigen Bayern - aus allen Teilen des Deutschen Reiches meldeten sich die Anwärter für den Kolonialdienst bei der VOC. Zu verlockend waren die phantastischen Geschichten vom unermesslichen Reichtum in Fernost. Aber es waren auch junge Männer darunter, die beim Lesen von Reiseberichten und -geschichten schlicht das Fernweh gepackt hatte. Für diese Abenteurer war es nur im gefährlichen Dienst der VOC erschwinglich, einen anderen Teil der Welt kennen zu lernen.