Der erste Indochinakrieg

Die ehemalige französische Kolonie Indochina erstreckte sich wo heute Laos, Vietnam und Kambodscha liegen. Zwischen 1863 und 1900 hatte die „Grande Nation" ganz Indochina erobert. Begonnen hatten sie mit der Kolonialisierung der Region in Vietnam und dort regte sich mit dem Indochinakrieg 1946 der heftigste Widerstand gegen die Franzosen. Während des Zweiten Weltkriegs beherrschte das französische Vichy-Regime Indochina zusammen mit den Japanern. Es kam zur Eskalation als Frankreich nach der Kapitulation Japans ein koloniales Comeback versuchte: obwohl es die durch Ho Chi Minh ausgerufene Unabhängigkeit der Demokratischen Republik Vietnam (DRV) zunächst anerkannt hatte, versuchte Frankreich seine Kolonialherrschaft über Vietnam mit Waffengewalt wieder herzustellen und provozierte damit erbitterten Widerstand. Getragen durch die Unterstützung der Bevölkerung widersetzte sich die Rebellenorganisation Viet Minh unter der Führung von Ho Chi Minh den Franzosen, deren Partisanen bereits aus dem Guerillakrieg gegen die japanisch-französische Doppelherrschaft kampferprobt war. Die Gefechte gipfelten im Indochinakrieg, den Frankreich 1954 verlor.

Im Zeichen der Trikolore kämpfte die französische Fremdenlegion, seinerzeit auch ein Sammelbecken für einstige Mitglieder von Wehrmacht und Waffen-SS. Etwa die Hälfte der im Indochina-Krieg fast 10.500 gefallenen Zeitsoldaten sollen deutsche Staatsangehörige gewesen sein. Schützenhilfe erhielt Frankreich von den USA, die Soldaten und Krieggerät bereitstellten. Die US-Militärführung schlug sogar vor, eine Atombombe auf die Truppen des Viet Minh zu werfen, die gerade eine französische Garnison belagerten. Aber die amerikanische Regierung zögerte und wollte dem Nuklearangriff mit dem Decknamen „Aasgeier" („Vulture") nur zustimmen, wenn bestimmte andere Länder ebenfalls einverstanden wären. Doch schon Großbritannien weigerte sich, die franko-amerikanische Operation abzusegnen.

Frankreich war kein Einzelfall: Alle Kolonialmächte versuchten, sich nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges und dem Abzug der Japaner wieder in ihren vermeintlich angestammten Gebieten in Südostasien festzusetzen. Aber die Kolonialära war nicht zu verlängern. Zwischen 1946 und 1957 mussten die südostasiatischen Kolonien mit Ausnahme der Ministaaten Singapur und Brunei in die Unabhängigkeit entlassen werden.