Zum Beispiel Vietnam

In den 80er Jahren beendete Vietnam sein ökonomisches Schattendasein mit marktwirtschaftlichen Wirtschaftsreformen („Doi Moi") und trat in den 90er Jahren ins Rampenlicht der Globalisierung. Seit 1991 wuchs Vietnams Wirtschaft mit Höhen und Tiefen um durchschnittlich 7,5 Prozent. Die ersten Früchte des Aufschwungs kamen noch bei fast allen Menschen an: Lebten 1986 etwa 70 Prozent der Vietnamesen in Armut, waren es 2008 nur noch rund 15 Prozent.

Ausländische Investoren pumpten so viel Kapital nach Vietnam, dass das Wirtschaftsmagazin The Economist das Land Anfang 2008 mit „Liebling der ausländischen Investoren und multinationalen Unternehmen" bejubelte. Doch inzwischen bekommt das vietnamesische Volk eher die makroökonomischen Schattenseiten des Wirtschaftswachstums zu spüren: So führte die große Geldmenge, die über die letzten Jahre ins Land geflossen ist, zu einer der höchsten Inflationsraten Asiens. Die Teuerung von derzeit etwa 25 Prozent bei Lebensmitteln und Benzin droht die Errungenschaften bei der Armutsbekämpfung zunichte zu machen. Die praktisch über Nacht steigenden Preise machen den ärmeren Gesellschaftsschichten das Überleben schwer. Gewinner des Wachstums sind gebildete junge Städter, die hektisch von einem gut bezahlten Job in den nächstbesser bezahlten Job wechseln.  

Ein Sinnbild dafür, dass das Wirtschaftswachstum droht, Vietnam über den Kopf zu wachsen, ist der Straßenverkehr: Längst hat die auf Leichtvehikel wie Zweiräder ausgerichtete Infrastruktur nicht mehr die richtige Kragenweite für die explodierende Motorisierung. Der binnen kürzester Zeit angeschwollene Verkehr zwängt sich durch die schmalen Straßen und verstopft Verkehrsadern bis zum Kollaps.  Ständig kommt es zu Unfällen, deren Opfer gerade in ländlichen Gegenden oft erst nach Tagen ärztlich versorgt werden können.