Zum Beispiel die Philippinen

Das philippinische Wirtschaftswachstum ist ein klassisches Beispiel für einen ökonomischen Aufschwung, der die Armen ausklammert: Statt besserer Verhältnisse für alle wachsen die Slums immer weiter, ihre Bewohner sollen 44 Prozent der urbanen Bevölkerung ausmachen. Entgegen dem Südostasien-Trend ist die Armut auf den Philippinen zwischen 2003 und 2006 sogar größer geworden und auf dem Land besonders schlimm.
Einerseits werden mehr Rohstoffe wie Gold, Kupfer und Nickel gefördert und zum Beispiel mehr Getränke für den Export hergestellt. Zudem sind computergestützte Dienstleistungen wie von Call Centern ein wichtiger neuer Markt und die Philippinen nach Indien das zweitgrößte Outsourcing-Ziel der Welt. Ein nahezu jobloses Wachstum bringt das hochmobile, globale Finanzkapital mit, das den Standort Manila für sich entdeckt hat. Auf der anderen Seite sind so arbeitsintensive Branchen wie die Textilherstellung in jüngster Zeit geschrumpft.

Wo es überhaupt Gewerkschaften gibt, wurden sie so nachhaltig geschwächt, dass sie noch nicht einmal einen Inflationsausgleich für die Arbeiterinnen und Arbeiter durchsetzen können. Deswegen schrumpft das Realeinkommen der Bevölkerung mit der steigenden Teuerungsrate.  Den wenigen Extremverdienern in Manilas schickem Bankenviertel steht ein Heer von Slumbewohnern gegenüber, deren „Marktwert" sich zynisch im Spottpreis offenbart, den sie für den Verkauf ihrer Organe bekommen. Die Niere eines philippinischen Lebendspenders kostet inklusive Abschlag für den Mittelsmann gerade 1.500 US-Dollar.

Angesichts der Armut klingt es seltsam, dass sich Manila mit dem Titel „Welthauptstadt des SMS-Versandes" schmückt. Wen diese Werbung wundert, muss wissen, dass mobiles Telefonieren gerade in armen Ländern extrem verbreitet ist und die hergebrachte Technologie eines teuer anzulegenden Telefonnetzes einfach überspringt. Deswegen gehören auch die Philippinen zu den fortschrittlichsten Mobilfunk-Nationen der Welt. Im 85-Millionen-Einwohner-Land kommunizieren 53 Millionen Menschen per Handy, erledigen ihre Geldgeschäfte mit dem Gerät oder nutzen es als Zahlungsmittel. Und um spontane politische Kundgebungen oder Protestaktionen zu koordinieren, sind SMS zum idealen Werkzeug geworden.