Erd- und Seebeben

Im weltgrößten Inselstaat Indonesien bebt oft die Erde. Auch das Epizentrum des Seebebens, welches Ende 2004 den verheerenden Tsunami ausgelöst hatte, lag vor der Westküste der indonesischen Insel Sumatra. Allein dort tötete die Riesenwelle rund 60.000 Menschen. Am stärksten von der Verwüstung betroffen war die nördliche Region Banda Aceh, in der die Wassermassen bis zu einen Kilometer weit ins Land rollten. Insgesamt starben bei der Katastrophe etwa 230.000 Menschen.

Experten befürchten, dass sich vor Sumatra schon in naher Zukunft erneut ein ähnlich heftiges Seebeben ereignen könnte. Damit sich dann mehr Menschen retten können, schenkte Deutschland Indonesien ein Tsunami-Frühwarnsystem. Entwickelt von deutschen Ingenieuren wird das innovative System als technische Spitzenleistung weltweit gelobt. Wer hätte gedacht, dass die massiven Probleme erst anfangen, wenn die Technik längst einsatzbereit ist: So ist nicht geklärt, welche Nation ab 2010 die jährlichen Wartungskosten von rund einer Million Euro bezahlen wird. Zwar befinden sich die meisten Sensoren auf indonesischem Meeresgrund. Da eine durch ein Beben im Sundagraben ausgelöste Flutwelle Sumatra schon im Schnitt binnen 20 Minuten erreicht, bleibt zwar Zeit, um Alarm zu schlagen, aber nicht genug Zeit, um eine ordentliche Evakuierung der Bevölkerung einzuleiten. Weiter entfernten Anrainerstaaten des Indischen Ozeans wird die Frühwarnung nützlicher sein, denn sie werden von einer vor Sumatra ausgelösten Riesenwelle teils erst nach Stunden getroffen.

Die meisten Opfer hatte 2004 allerdings Indonesien zu beklagen. Umso mehr verwundert es, dass Politiker und Beamte nur wenig Willen zeigen, die Hiobsbotschaft einer sich anbahnenden Katastrophe im Ernstfall zu verbreiten: Bevor ein Tsunami 2006 etwa 600 Menschen auf Java tötete, erhielten Regierende rechtzeitig Warnungen von Forschern. Aber statt Alarm zu schlagen, behielten die Volksvertreter die schlechte Nachricht für sich, um „unnötige Panik" zu vermeiden.