Palmölplantagen bedrohen Orang Utan

Die wirtschaftliche Entwicklung in Südostasien geht auf Kosten der Natur: Der Living Planet Report des WWF benennt, welche Staaten ökologisch gesehen zu den Geberländern und welche zu den Nehmerländern gehören. Wer sein Budget überzieht bemisst sich am Richtwert von 2,1 Hektar. So viel Fläche stünde demnach theoretisch jedem Menschen zu, wenn die natürlichen Ressourcen nachhaltig genutzt werden würden. Vor etwa 40 Jahren waren in Südostasien alle Länder im grünen Bereich, also ökologische Geberländer, während Deutschland schon im tiefroten Bereich landete. Damals gab es in Südostasien doppelt bis dreifach so viel Biokapazität, wie von seinen Einwohnern genutzt wurde. Inzwischen hat sich das Bild dramatisch gewandelt: In Thailand, Kambodscha, Vietnam und auf den Philippinen leben die Menschen inzwischen deutlich über ihre ökologischen Verhältnisse.

In Indonesien spielt sich derzeit ein Umweltdrama von globaler Auswirkung ab: Das indonesische Archipel ist als eines der weltweit bedeutendsten Regenwaldgebiete bekannt, doch der grüne Schatz verschwindet in atemberaubenden Tempo: Stündlich verschwindet die Waldfläche von 300 Fußballfeldern. Weniger als 30 Prozent des ursprünglichen Bewuchses sind noch übrig und auch der verbliebene Rest ist bedroht. Das Roden der „Grünen Lunge" verursacht ein Viertel der in Indonesien entstehenden Treibhausgase, weil Wald verbrennt und Torfböden austrocknen. Der Inselstaat gibt wegen der exzessiven Zerstörung des Regenwaldes nach den USA und China die meisten CO2-Emissionen weltweit ab.

Auf den entforsteten Flächen werden verstärkt Palmen zur Ölgewinnung angebaut. Palmöl eignet sich unter anderem als Rohstoff für Biodiesel und weil die Nachfrage künftig auch dank Biokraftstoffquote der EU in die Höhe schnellen soll, sind Flächen für Palmölplantagen höchst begehrt. Umweltschützer fürchten, dass damit das Ende des indonesischen Regenwalds besiegelt ist. Die indonesische Regierung befeuert den rücksichtslosen Raubbau sogar: Bis 2010 möchte sie inoffiziellen Angaben zufolge auf 20 Millionen Hektar Ölpalmen anbauen lassen - das entspricht der Fläche von England, der Schweiz und den Niederlanden zusammen. Die Hälfte dieser Pflanzungen sollen auf dem indonesischen Teil Borneos entstehen, wo die vom Aussterben bedrohten Orang Utans noch ihren letzten natürlichen Lebensraum haben. Indonesien selbst sieht auch die eigene Kraftstoffzukunft im Palmöl, dabei könnte es bequem das größte Kraftwerk der Welt, die Erde selbst, anzapfen: Indonesien verfügt über 40 Prozent der weltweit geothermal nutzbaren Energie, die fast seinen gesamten Energiebedarf decken würde.