Gewalt gegen Frauen und sexuelle Ausbeutung

Für Südostasiatinnen gehört das Erleiden von Gewalt nach wie vor zum Alltag. Südostasien gehört zu den Regionen auf der Welt mit den höchsten Raten an häuslicher Gewalt. Besonders Frauen in den Mekong-Ländern Thailand, Kambodscha, Vietnam und Laos sind Opfer von körperlichen und besonders sexuellen Misshandlungen. Da das Thema ein Tabu ist, kommt es kaum zu Anzeigen gegen Täter, die dann meist ohnehin im Sande verlaufen. Häusliche Gewalt war in den Mekong-Ländern noch vor wenigen Jahren nicht einmal strafbar. Viele Frauen werden bei Vergewaltigungen mit AIDS infiziert. Darüber hinaus ist die kommerzielle sexuelle Ausbeutung von Frauen und Kindern weit verbreitet. Mädchen werden von ihren Familien in die Zwangsprostitution verkauft oder prostituieren sich, weil sie wegen der Armut der Eltern auf sich gestellt sind. Viele Prostituierte schicken einen beträchtlichen Teil ihrer Einnahmen zurück nach Hause. Das Geld ist bei den Familien hochwillkommen und bringt ihnen teilweise sogar bescheidenen Wohlstand ein. Die zurückkehrenden Frauen aber werden in der Regel geächtet und ausgegrenzt.

Dass Minderjährige bei Freiern immer gefragter sind, hat einen perfiden Grund: Die Männer glauben, sich beim ungeschützten Verkehr mit Kindern weniger wahrscheinlich mit AIDS anzustecken. Obwohl das Gegenteil der Fall ist: Weil sich Mädchen und Jungen weit schlechter gegen den Willen der Freier durchsetzen und auf ein Kondom bestehen können, ist die HIV-Rate unter den jungen (Zwangs-) Prostituierten sehr hoch. Besonders lukrativ ist es für Zuhälter, die Kinder an pädosexuelle Touristen zu vermieten. Fernab der heimischen Justiz und dem persönlichen Umfeld nutzen diese Männer die Armut im Reiseland skrupellos aus. Nachdem die Gesetze gegen Kinderprostitution in Thailand verschärft wurden, ist die sexuelle Ausbeutung von Kindern in den Nachbarländern Kambodscha, Vietnam und Laos rapide gestiegen.

Südostasien ist seit Jahrzehnten ein Lieblingsziel für Prostitutionstouristen, die es im Ausland vor allem auf billigen oder/und ungeschützten Sex absehen. Vor allem in Thailand ist das Phänomen jener Freier verbreitet, die mit einer Prostituierten ihren gesamten Urlaub verbringen. Die Männer stellen sich vor, einen „echten" Urlaubsflirt mit einer Frau zu haben, die lediglich ein paar finanzielle Zuwendungen für sich oder ihre Familie benötigt. Manchmal ergibt sich aus solchen Arrangements sogar ein den Urlaub überdauerndes Verhältnis, das in einer Ehe mündet. Thailand, Vietnam, Indonesien, die Philippinen und Kambodscha die Zielländer für massenhaften Fern-Sextourismus. Die deutlich überwiegende Zahl der Freier kommt aber aus Südostasien selbst.