Zuckerdose, Armenhaus: Philippinen

Die einstige „Zuckerdose" der Philippinen, die Insel Negros, bescherte auch zu ihren besten Zeiten nur den Zuckerbaronen, den hacienderos, ein süßes Leben. In den 20er Jahren stieg der Inselstaat zum weltgrößten Zuckerproduzenten auf. Lange bekamen die „sacadas" genannten Saisonarbeiter auf den Plantagen gerade so viel Lohn, dass sie knapp überlebten. Bis noch schlechtere Zeiten anbrachen: In den 80er Jahren sackte der Preis ab und plötzlich war es selbst auf Negros zu teuer, Zuckerrohr schlagen zu lassen. Viele Plantagen stellten die Produktion von heute auf morgen ein und ein Viertel der insgesamt eine Million sacadas stand mit einem Mal auf der Straße. Als sich die Großgrundbesitzer weigerten, den hungrigen sacadas auf den Plantagen den Anbau von Getreide zu erlauben, wuchs eine Partisanenarmee heran, die sich heftige Guerillakämpfe mit Regierungstruppen lieferte. Heute mühen sich noch rund 250.000 sacadas auf Negros' Zuckerrohrplantagen und die Insel gilt nach wie vor als Armenhaus der Philippinen.

Viele Plantagenarbeiter haben bei der Landreform Ende der 80er Jahre ein eigenes Stück Boden abbekommen und sich als Kleinbauern selbstständig gemacht. Ihr Leben ist deswegen nicht einfacher geworden: Die Arbeit im Zuckerrohr ist die selbe elende Plackerei wie vor 150 Jahren und auch der Hunger ist ein ständiger Begleiter. Aber die Bauern kennen nichts als den Zuckerrohranbau und das Experimentieren mit anderen Kulturpflanzen kann sich nicht leisten, wer von der Hand in den Mund lebt. Erst der Faire Handel ermöglicht den Kleinbauern auf Negros ein besseres Leben.

Die Alter Trade Corporation (ATC) gründete sich 1986 zu Beginn der Zuckerkrise. In den 90er Jahren beschloss die ATC, die Bauern zur Umstellung auf den ökologischen Anbau zu motivieren mit Hilfe aus Deutschland: Die damals schon langjährige Handelspartnerin gepa sowie Brot für die Welt und Naturland unterstützen das Vorhaben. Seitdem verkauft die gepa den Mascobado-Zucker von Alter Trade in von Naturland zertifizierter Bioqualität. Die Bio-Zuckerrohrbauern der ATC-Kooperativen nähren ihre Böden statt mit chemischem Dünger mit einer Mischung aus Kuhdung, Hühnermist, ausgepresstem Zuckerrohr und Kalk. Pestizide sind sogar komplett gestrichen, stattdessen befreien die Bauern die Pflanzen in Handarbeit von allzu aufdringlichen Wildpflanzen.

An die ATC ist eine Stiftung gekoppelt, die Kredite an die Bauern vergibt und den Genossenschaften beratend zur Seite steht. In „Farmer Field's Schools" lernen die Bauern, wie der ökologische Anbau in die Tat umgesetzt wird und mit welcher Pflege andere Kulturpflanzen gedeihen, wie die lokale Bananensorte Balagon oder Reis. Durch den gemischten Anbau sind die Bauern weniger abhängig vom süßen Kristall. Heute haben sie von der extrem harten Arbeit mehr, denn sie erhalten teilweise doppelt so viel Geld für ihren Zucker als auf dem freien Markt. Ihr Einkommen ist nun hoch genug, damit die Familien keinen Hunger mehr leiden und die Kinder eine Schule besuchen können.