Philippinen: SAFFY

Fensterscheiben waren ein Luxus, auf den spanische Kolonialherren und -damen auch auf den Philippinen nicht verzichten wollten. Aber woher nehmen? Die Antwort lag im Meer: Die Capiz-Muschel lagert im Inneren ihrer Schalen eine lichtdurchlässige Schicht ab. Mit diesen zarten Plättchen ließen sich die Spanier ihre Fenster verkleiden, was der Capiz-Muschel den etwas klobigen Beinamen Fensterscheibenmuschel einbrachte. Heute ist die transparente Muschelschale als Dekoration auf der ganzen Welt begehrt - sie schmückt Windspiele, Lampenschirme oder Fensterbilder.

Im tropisch-warmen Wasser in der Nähe von Manila gedeihen Capiz-Muscheln. In der Hauptstadt wird die Muschel für den Fairen Handel verarbeitet: 60 bis 80 Filipinos stellen aus der dünnen Schalenschicht Raumschmuck her in einem Produktionszentrum und in Heimarbeit. Die Arbeit ist aufwändig: zuerst muss die transparente Innenseite vom Außenpanzer getrennt werden, vorsichtig gereinigt und poliert werden. Dann wird sie mit einer Peroxid-Lösung eingeweicht, zugeschnitten, geglättet oder umgeformt. Anschließend wird die Schale je nach Bedarf gefärbt und in Messing gefasst.

Betrieben wird die Manufaktur von SAFFY („Social Action for Filipino Youth"), einer Selbsthilfeorganisation, die 1966 von einer Nonne und einigen Schulabgängern gegründet wurde. Ihr Ziel war schon damals, den Hunger in den Slums mit Ausbildung- und Einkommensmöglichkeiten zu bekämpfen. Seit 1970 ist SAFFY ein Teil der Entwicklungsorganisation SAFRUDI, die neben der städtischen auch die ländliche Entwicklung fördert.

Die natürlichen Capiz-Bestände sind überstrapaziert - Artikel aus Fensterscheibenmuschel werden in aller Welt für wenig Geld verkauft und die Muschelkolonien im Meer erholen sich vom Raubbau nicht mehr. SAFFY bezieht die Muschelschalen deswegen aus Zuchtbetrieben. Den Arbeitskräften zahlt die Organisation einen fairen Lohn, ein 13. Monatsgehalt, sichert sie mit Beiträgen zur Sozialversicherung ab und bezuschusst Ausgaben für Medizin und Wohnungen.

Aber die Capiz-Erzeugnisse sind längst nicht alles, was SAFFY im Angebot hat: Insgesamt vermarktet die Organisation Waren von mehr als 1.300 Produzentengruppen und Familienbetrieben. Viele Artikel werden in Behindertenheimen hergestellt. SAFFY bemüht sich, die meisten Waren über alternative Handelsorganisationen  ins Ausland zu vermarkten, wo 95 Prozent der Abnehmer leben. Bei uns führen dwp und el puente die schönen, von SAFFY vermarkteten Capiz-Produkte im Sortiment.