Philippinen: Papier aus der Krisenregion

Die Insel Mindanao wird seit mehreren Jahrzehnten von bürgerkriegsähnlichen Ausschreitungen zwischen Rebellen und Regierungstruppen erschüttert, die oft auf dem Rücken der einheimischen Zivilbevölkerung ausgetragen werden. Ein unzumutbarer Dauerzustand einschließlich willkürlicher „Hinrichtungen" oder Geiselnahmen haben Flüchtlingsströme aus der betroffenen Region in die nächste Stadt Salay ausgelöst. Aber in der Kleinstadt und ihren umliegenden Dörfern gibt es kaum Gelegenheiten, Geld zu verdienen.

Anfang der 80er Jahre beschloss ein Ehepaar aus Salay, Arbeitsplätze für die Neuankömmlinge zu schaffen. Mit Hilfe einer Nichtregierungsorganisation richtete das Paar 1987 ein Atelier mit zehn Angestellten ein, wo seitdem handgeschöpftes Papier aus Naturfasern hergestellt und zu verschiedenen Papeterie-Artikeln weiterverarbeitet wird. Das Unternehmen namens Salay Handmade Paper Industries, Incorporated (SHAPII) ist seit 1990 eine Aktiengesellschaft. Für die Gründung der inzwischen ins Leben gerufenen Genossenschaft oder einer Stiftung fehlte damals das Geld. Allerdings stammen die Aktionäre größtenteils aus der inzwischen mehr als 370-köpfigen Arbeiterschaft. Beschäftigt werden vor allem Frauen ohne Schulabschluss. In der Manufaktur erlernen sie nicht nur ein Handwerk, sie werden auch darin ermutigt, eigenverantwortlich, selbstständig und kreativ zu handeln. SHAPII zahlt faire Löhne und gewährt überdurchschnittliche Sozialleistungen, wie im Gesundheitsbereich und bei der Altersvorsorge. Auch die Schulkosten für die Kinder der Beschäftigten werden übernommen und es werden Weiterbildungen organisiert. Darüber hinaus entstand unter anderem eine arbeiterverwaltete Sparkasse. Damit immer neue und bessere Produkte hergestellt werden können, wird großer Wert auf den Austausch mit Spezialisten insbesondere aus Japan gelegt, wo die Papierherstellung eine lange Tradition hat.

Zu Papier verarbeitet werden faserige Pflanzen, die SHAPII Kleinbauern in der Umgebung oder im besonders vom Konflikt betroffenen bergigen Hinterland abkauft. Sie erhalten einen guten Preis und Abnahmegarantien, allerdings ist es bei Kampfhandlungen zu riskant, das Material in der Bergregion abzuholen. Dann ist SHAPII gezwungen, die Rohstoffe vorübergehend auf dem lokalen Markt einzukaufen. Besonders oft wird für die Papierherstellung Cogon-Gras verarbeitet, das als Unkraut von den Bauern ohnehin geschnitten wird.

Die wichtigsten Abnehmer von SHAPIIs Papierwaren sind Fairhandelsorganisationen in Europa und den USA. In Deutschland vertreibt dwp die papierenen Unikate. Aber die Aufträge reichen nicht für eine ganzjährige Vollbeschäftigung aller Arbeiterinnen und Arbeiter, die in der Fabrik und in Heimarbeit tätig sind. Dank SAPII hängt Salay aber endlich am Stromnetz. Der Strom war wichtig, damit sich die Heimarbeiterinnen im schlechten Licht nicht die Augen verderben.