Heute und gestern: Hoch hinauf im Hausbau

Vergleicht man die Wolkenkratzer in den Millionenmetropolen wie Bangkok oder Singapur mit den einfachen Holzhäusern auf dem Land in Südostasien könnte der Gegensatz kaum größer sein. Während in den Zentren ein architektonischer Superlativ den nächsten jagt und das urbane Antlitz kaum näher am Puls der Zeit sein könnte, orientieren sich viele ländliche Baumeister notgedrungen an dem, was sich seit Jahrhunderten bewährt hat.

Eines der höchsten Gebäude der Welt steht im malaiischen Kuala Lumpur: Die 1998 fertiggestellten Zwillingstürme messen 452 Meter. Aber auch eine in Südostasien noch heute sehr verbreitete traditionelle Bauweise hat einen Hang zum Höheren: Pfahlbauten erweisen sich nach wie vor in vielen Regionen als die praktischste Hauskonstruktion. Auf Stelzen errichtet schützen sie vor Überschwemmungen nach sintflutartigen Regengüssen und anderen unerwünschten Überraschungen wie so manch tierischem Besucher. Besonders eindrucksvoll sind die im Wasser errichteten Pfahlbauten, die teilweise zu ganzen Siedlungen zusammengewachsen sind und eine eigene kleine Stadt über dem Wasser bilden.

Für die indigene Bevölkerung haben Pfahlbauten auch eine spirituelle Bedeutung. Ihnen gilt das Haus als Symbol für die Einheit seiner Bewohner, die wiederum ein Teil der sozialen Gemeinschaft sind. Das Haus steht für die soziale und kosmische Ordnung, die von Pfahlbauten besonders gut dargestellt wird: Das Dachgewölbe versinnbildlicht die überirdische Welt der Götter und Ahnen. Der durch die Pfähle geschaffene Bereich unter dem Haus wird der Unterwelt zugeschrieben. Und der Wohnbereich dazwischen stellt passend die Welt der Lebenden dar.