Frauen mit Macht und Kopftuch

Während Frauenrechte in Aceh, dem Nordwesten Sumatras, von der regionalen islamischen Rechtsprechung eingeschränkt werden, wird unweit davon eine der letzten matrilinearen Kulturen der Welt gelebt: Bei den Minangkabau wird der Landbesitz von den Müttern an ihre Töchter vererbt. Die starke Rolle der Frau bei dieser Volksgruppe leitet sich aus dem „adat" ab - einem ungeschriebenen Recht, das in der Region älter ist als der Islam. Erstaunlich ist, dass die Minangkabau gläubige Moslems sind und den Frauen dadurch zugleich eine untergeordnete gesellschaftliche Stellung zuweisen. Lange Zeit gelang es der Volksgruppe, die sich widersprechenden weiblichen Rollenbilder miteinander zu vereinbaren. Bei den Minangkabau hat die Frau innerhalb der Familie das Sagen, während der Mann nach außen Familienoberhaupt ist. Doch durch stärker werdende islamische Einflüsse verschiebt sich das einst recht ausgewogene Machtverhältnis zwischen den Geschlechtern zugunsten der Männer.