Die Maya

Seit Forscher im 18. und 19. Jahrhundert die vom Dschungel überwucherten Tempelanlagen der Maya freigelegt hatten, versucht man der alten Hochkultur auf die Spur zu kommen. Ihre monumentalen Bauwerke, wie die bis zu 65 Meter hohen Stufenpyramiden, sind tief beeindruckend, aber nicht die einzigen Hinweise darauf, dass die Maya-Kultur sehr weit entwickelt war. Zum Beispiel verfügten die Maya als einziges Volk im Amerika vor Kolumbus über eine vollständige Schrift und auch in Mathematik waren sie sehr gut. Forscher gehen davon aus, dass sie Observatorien gebaut haben, um die Himmelskörper besser erforschen zu können. Dafür spricht, dass die Maya verschiedene Kalender entwickelt hatten, von denen der „Haab“ der Berühmteste ist, weil er einem Jahr 365 Tage zuschreibt.

Die religiösen Vorstellungen der Maya waren sehr komplex und wurden von verschiedenen Göttern bestimmt. Sie glaubten, dass jedes Ding einschließlich der Elemente im Kosmos eine Seele hat. Trotz der starken gemeinsamen Kultur bildeten die Maya kein einheitliches Reich, sondern lebten im Wesentlichen über Yucatán verstreut in politisch voneinander unabhängigen Kleinstaaten. Grob lassen sich die verschiedenen Völker in Hoch- und Tieflandmaya einteilen. Zwar unterschieden sie sich zum Beispiel auch in ihren Sprachen, stimmten in mythologischen Vorstellungen aber miteinander überein.
 
Lange Zeit hielt man die Maya für eine friedliche Kultur, die sich lieber mit Kunst und Sternenkunde befasste als mit Angriffen auf ihre Nachbarn. Als man im 20. Jahrhundert jedoch ihre Schriftzeichen entschlüsselt hatte, wurde der verklärende Blick berichtigt. Die Schattenseite der Maya-Kultur war der allgegenwärtige Opferkult, der auch zahlreiche Menschenleben forderte. Dabei beendete die rituelle Tötung meist Qualen, die das Opfer zuvor durch Folter erleiden mussten. Gesellschaftlich war der Opfertod hoch angesehen und manche Menschen wählten ihn deshalb freiwillig. Meist wurden aber Gefangene geopfert, die auf Feldzügen gegen andere Mayavölker „beschafft“ wurden. Maya, denen das Schicksal der Opferung bevorstand, bot der Glaube etwas Trost: Beinahe jedem anderen Sterbenden stand nach dem Tod der Abstieg in die gefürchtete Unterwelt Xibalbá („Ort der Angst“) bevor, wo sie von finsteren Gestalten beliebig lang gepeinigt wurden. In der Vorstellung der Maya blieb diese Marter dem Menschenopfer erspart.

Zu den Rätseln der Maya gehört der Niedergang ihrer Hochkultur. Fest steht, dass sie etwa 900 nach Christus aufhörten, Prachtbauten zu errichten und ihre für damalige Verhältnisse gigantischen Städte verließen. Es gibt einige Theorien darüber, was damals geschehen sein könnte. War eine Dürre Schuld am Erlöschen der klassischen Maya-Kultur, die Übernutzung der natürlichen Ressourcen, ein Krieg oder ein Volksaufstand? Besonders viele Nachfahren der Hochkultur-Maya leben heute in Guatemala.

Der Jaguarkult
Als König der Tiere Mittel- und Südamerikas erlangte der majestätische Jaguar große Bedeutung in der Vorstellungswelt der Indianer, die ihren Lebensraum mit ihm teilten. Das Antlitz der Raubkatze wurde in Stein gehauen, Könige schmückten sich mit ihrem Fell und Jaguare wurden als hoch geschätzte Tiere gern geopfert. In der Vorstellung der Maya beherrscht zum Beispiel ein Gott in Jaguargestalt die Unterwelt. Auch die Azteken, die sich etwa im 13. Jahrhundert in Mittelamerika niederließen, verehrten den Jaguar. Besonders bekannt sind die Jaguarkrieger, Elitekämpfer des starken aztekischen Militärs, die sich mit dem Fell der Großkatze kleideten. Diese Krieger waren in der streng hierarchischen Gesellschaft der Azteken hoch angesehen.