Guatemala

Nach einem jahrzehntelangen Guerillakrieg besiegelten Regierung und Partisanen 1996 den ersehnten Frieden mit einem Vertrag. Dieses Papier wurde zur einer Art Fahrplan für die guatemaltekische Regierungspolitik. Was darin vermerkt ist, wird schrittweise durch die Schaffung neuer Gesetze und Einrichtungen umgesetzt. Um die Gefahr eines aufflammenden Konflikts zu bannen, wurden die Guerillakämpfer entwaffnet und etwa 11.500 von 27.000 Soldaten entlassen.
2007 wurde erstmals seit dem Ende des Bürgerkriegs eine linksgerichtete Partei, die Unidad Nacional de la Esperanza (UNE) unter Álvaro Colom Caballeros stärkste politische Kraft im Land. Viel Macht hat sie aber dennoch nicht. Die UNE muss sich gegenüber anderen Parteien kompromissbereit zeigen, weil sie über weniger als ein Viertel der Kongresssitze verfügt. Sollte sie nach den nächsten Wahlen wieder zurück auf die Oppositionsbank müssen, dürfte das rückblickend kaum jemanden erstaunen: Bislang konnte in Guatemala keine Partei die Bürger für eine längere Dauer so von sich überzeugen, dass sie nach der ersten Legislaturperiode mit einer Wiederwahl belohnt wurde. Ein Grund dafür dürfte sein, dass hinter der öffentlichen Politbühne mächtige Dritte die Fäden ziehen: Großgrundbesitzer, Großhändler und Produzenten manipulieren die Politik Guatemalas erheblich.    

Die Regierung hat sich die Herstellung der nationalen Einheit durch mehr soziale Gerechtigkeit auf die Fahne geschrieben. Auch gegen die Beamtenkorruption und die ausufernde Gewalt möchte sie vorgehen. Angesichts der klammen Haushaltslage bleibt abzuwarten welche der angekündigten Maßnahmen der Staat überhaupt bezahlen kann. Aber es gibt erste Erfolge: im Zuge der Dezentralisierung übernehmen Gemeinden und Kommunen mehr Verantwortung und bekommen dafür auch einen größeren Teil der Steuereinnahmen.