Remittances ("remesas")

Traditionell sind arme Familien in Mittelamerika und Mexiko auf Zuwendungen von Landsleuten im Ausland (sog. remittances) angewiesen. Manche Volkswirtschaften hängen so sehr am Tropf des von den Arbeitsmigranten zurück geschickten Geldes, dass sie eine Unterbrechung der Zahlungen kaum verkraften könnten: In Guatemala machte die Summe der vielen kleineren Beträge 2007 zehn bis zwölf Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung aus oder anders gesagt: ca. vier Milliarden US-Dollar, die 30 Prozent der Einheimischen versorgten. Auch in El Salvador und Nicaragua ist die ökonomische Abhängigkeit vom fern der Heimat verdienten Geld enorm. Remittances kurbeln die Binnennachfrage an, weil Empfängerhaushalte das Geld im Land für Konsum ausgeben oder es investieren.

Was die Völkerwanderungen – beispielsweise lebt fast ein Drittel der Salvadorianer im Ausland – für betroffene Familien und Gesellschaften bedeutet, ist noch abschließend nicht erforscht. Zumal Arbeitsmigration zunehmend weiblich wird: Frauen bilden inzwischen bereits etwa die Hälfte des Fremdarbeiterstroms. Als Haushaltshilfen und Kindermädchen im Ausland gefragt sind unter den Arbeitsmigrantinnen auch viele Mütter, die ihre eigenen Töchter und Söhne für längere Zeit verlassen.

Costa Rica ist ein beliebtes zentralamerikanisches Einwanderungsland für Gastarbeiter. Die mit Abstand größte Anziehungskraft auf Migranten üben naturgemäß aber die Vereinigten Staaten aus. Als zumeist illegale Einwanderer übernehmen die Fremden dort Jobs, die nicht genügend Einheimische für so wenig Lohn erledigen möchten. Ganze Branchen hängen von den heimlichen Billigkräften ab und schaffen auch viele Arbeitsplätze für US-Amerikaner. Es gilt als erwiesen, dass es der US-Wirtschaft enorm schaden würde, wenn die ausländischen Niedriglöhner plötzlich ausblieben. Bislang kontrastierte die US-Regierung diese Tatsache dennoch mit einer immer rigoroseren Einwanderungs- und Abschiebungspolitik.