Freihandelsabkommen

Die mittelamerikanischen Regierungen schlossen zahlreiche Freihandelsabkommen, mit denen sie die Wirtschaft ankurbeln wollten. Solche Abkommen beinhalten ein Ungleichgewicht: Wenn zwei sehr verschieden starke Partner den schrankenlosen Handel miteinander vereinbaren, hat der stärkere und konkurrenzfähigere Partner gewöhnlich mehr davon als der schwächere. In einem ärmeren Land zerstört die „freie Fahrt“ für Güter jene Teile der einheimischen Wirtschaft, deren Produkte mehr kosten als die ausländischen Importe. So werden Kleinbauern Opfer des Freihandels, weil sie mit extrem subventionierten Farmbetrieben in zum Beispiel den USA nicht mithalten können. 

Neben den USA und der Europäischen Union sind mittlerweile auch asiatische Länder beliebte Freihandelspartner mittelamerikanischer Staaten. Das bekannteste Abkommen ist aber nach wie vor das 1994 in Kraft getretene NAFTA (North American Free Trade Agreement), an dem Mexiko, die USA und Kanada beteiligt sind. Mit seinen NAFTA-Partnern wickelt Mexiko heute 90 Prozent seines Außenhandels ab. Ein Gegenentwurf zu den Freihandelszonen mit Beteiligung Nordamerikas ist das so genannte ALBA-Bündnis („Bolivarische Alternative für Amerika“), dessen Mitglieder Venezuela, Nicaragua, Kuba und Bolivien über das im Freihandel übliche Maß miteinander kooperieren.

Wie umstritten Freihandelsabkommen sind, zeigen die Proteste um die Unterzeichnung des DR-CAFTA, dem Freihandelsabkommen zwischen den USA und sechs zentralamerikanischen Ländern. Neben Costa Rica sind El Salvador, Guatemala, Honduras, die Dominikanische Republik und Nicaragua beteiligt. Sowohl in den Vereinigten Staaten ereigneten sich Proteste gegen das Abkommen aus Angst vor der Abwanderung von Arbeitsplätzen als auch in Mittelamerika, wo man die Konkurrenz mit überlegenen amerikanischen Unternehmen fürchtete. Vor allem Kleinbauern sahen sich durch die subventionierten Agrarprodukte von US-Farmern in ihrer Existenz bedroht. Befürchtet wird auch die Privatisierung der Telekommunikations- und Elektrizitätsanbieter. Mit der Unterzeichung des DR-CAFTA verpflichten sich die mittelamerikanischen Länder bis 2015 alle Importbarrieren, wie zum Beispiel Zölle, für US-Produkte abgebaut zu haben. Damit verlieren sie einen wichtigen Schutzmantel für ihre sich entwickelnden Volkswirtschaften.

Obwohl in Costa Rica die DR-CAFTA-Befürworter, deren entschlossener Vertreter Präsident Oscar Arias ist, sowohl die Massenmedien als auch die finanziellen Mittel auf ihrer Seite hatten, gelang es den Gegnern und Kritikern des Beitritts, viele Menschen über die möglichen negativen Folgen aufzuklären. Gemessen an den Felsbrocken, die ihnen in den Weg gelegt wurden, war das Referendum, bei dem die Befürworter nur einen hauchdünnen Stimmvorsprung von 3,2 Prozent erreichen konnten, ein Erfolg für die Gegner des Abkommens, wenn es damit auch nicht gestoppt wurde.