Mexiko

Mexikos Wirtschaft ist die stärkste Mittelamerikas und in den vielen Fabriken des Landes werden Waren für den Weltmarkt hergestellt. In den Produktionsstätten wird für sehr wenig Lohn gearbeitet und viele Mexikaner besitzen nicht viel: Die unteren 40 Prozent der Haushalte in der Einkommenspyramide verdienen gerade 11 Prozent des insgesamt erwirtschafteten Einkommens. Besonders arm sind die Indigenas – unter ihnen sollen rund 80 Prozent von weniger als zwei US-Dollar am Tag leben. Aus wirtschaftlicher Not riskieren Tausende den oft tödlichen Marsch durch die Grenzwüste, um in die USA zu gelangen. 2007 sollen sich schätzungsweise 350.000 Menschen auf den gefährlichen Weg in die Vereinigten Staaten gemacht haben.
Die verarbeitende Industrie und der Dienstleistungssektor konzentrieren sich im Großraum Mexiko City und teilweise im Norden des Landes hinter der US-amerikanischen Grenze. Im tropischen Süden des Landes leben dagegen noch viele Menschen als Bauern. Auf den meisten Feldern wachsen Kaffee, Kakao, Bananen und Tabak.

Ein Staat benötigt Steuereinnahmen, um zum Beispiel Sozialleistungen anbieten zu können. Trotz Reformen bittet der mexikanische Staat seine Bürger und Unternehmen aber weniger zur Kasse als er es nach Meinung vieler Fachleute sollte. Nach wie vor hat das Fiskalsystem noch viele Schlupflöcher und vor allem die Millionen kleiner Gewerbetreibender und Tagelöhner tragen so gut wie nichts zum öffentlichen Haushalt bei. Von einer zahlungsschwachen Berufsgruppe holt sich der mexikanische Fiskus jedoch auf sehr einfallsreiche Weise, was ihm zusteht: Kunstschaffende dürfen ihre Steuerschuld in Gemälden begleichen, was bildende Künstler auf der ganzen Welt neidisch auf Mexiko blicken lässt. Jährlich schwingen Steuern schuldende Maler dort den Pinsel für das Finanzamt. Damit sich die Kreativen Mühe mit ihren Werken geben, begutachtet eine Fachjury die eingereichten Bilder. Arbeiten in Spitzenqualität finden Plätze in Museen und Wanderausstellungen. Gemälde etwas minderer Güte schmücken später Amtsstuben im ganzen Land. Das weltweit einmalige Programm heißt „Pago en Especie“, was „Zahlung in Naturalien“ bedeutet. Neben der Unterstützung für die bildenden Künstler ist auf diese Weise eine der umfangreichsten staatlichen Kunstsammlungen Lateinamerikas entstanden.