Herausforderungen

Indigenas und die „exclusión social“
In kaum einer anderen Region der Welt ist die soziale Ungerechtigkeit so groß wie in Lateinamerika. Durch die wirtschaftlichen Fortschritte tritt sie dort umso deutlicher zutage. Am weitesten vom Durchschnittseinkommen abgeschlagen ist die indigene Bevölkerung. Besonders viele Angehörige der unterschiedlichen Maya-Völker leben in Guatemala. Dort machen Indigenas etwa 40 Prozent der Bevölkerung aus, 75 Prozent von ihnen leben in Armut. Ein Grund für ihre missliche Lage ist die sehr ungleiche Verteilung des Bodens: nur 1,9 Prozent der Guatemalteken verfügt über 56 Prozent des Agrarlandes. Indigene Familien besitzen zumeist weniger als einen Hektar Boden oder gar kein Land. In Panama „wohnt“ die Armut ebenfalls auf dem Land bei den Nachfahren der Ureinwohner: 98 Prozent der Indigenas in Panama gelten als arm.

Es gelingt kaum Indigenen, sich vom Rand in die Mitte der Gesellschaft zu kämpfen. In allen Schlüsselbereichen werden die Indigenas ausgeschlossen und dieses Phänomen trägt den Namen „exclusión social“. Nachdem sie Jahrhunderte lang systematisch unterdrückt wurden, hängt die Benachteiligung heute eng mit dem bäuerlichen Leben vieler Indigenas zusammen. Denn die Landbevölkerung wird bei der Vergabe staatlicher Mittel für Infrastruktur und Bildung vernachlässigt. Da die Indigenen in wichtigen Ämtern unterrepräsentiert sind, können sie die Staatsausgaben kaum „von innen“ heraus beeinflussen. Wut und Ohnmacht über die faktische Rassentrennung entlädt sich zunehmend in Gewalt und Regierungen gehen langsam auf die Missstände bei der indigenen Bevölkerung ein.

Als erster sozialdemokratischer Präsident Guatemalas kündigte Alvaro Colom an, den 45 ärmsten, überwiegend indigenen Gemeinden mit einem Sozialprogramm auf die Beine helfen zu wollen. Die Vereinten Nationen verabschiedeten 2007 nach zwei Verhandlungsdekaden eine Deklaration für die Identität und Rechte der indigenen Völker, die ihre ethnische, kulturelle und sprachliche Eigenständigkeit sichern soll. Dazu gehört die Verfügungsgewalt über ihr angestammtes Land und die darauf befindlichen Ressourcen. Die UN-Erklärung ist nicht rechtlich bindend, hat aber politisch und moralisch ein großes Gewicht wie einst die Allgemeine Menschenrechtserklärung, die vielfach Eingang in verbindliches Recht gefunden hat.  So gesehen können Verbesserungen der Situation erwartet werden, obwohl es mit der Umsetzung der Erklärung bislang noch hapert.

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