Migration

Ein mehr als tausend Kilometer langer Zaun soll den wohlhabenden Norden Amerikas von den Armen des Südens trennen. Jährlich wurden bisher eine Million Menschen aus Mexiko und anderen Ländern Zentralamerikas vom US-amerikanischen Grenzschutz aufgegriffen. Um in die Vereinigten Staaten zu gelangen, begeben sie sich auf einen gefährlichen Marsch durch die lebensfeindliche Wüste, der 2007 mindestens 400mal tödlich endete. Um ihre Chance zu erhöhen, die USA zu erreichen, heuern viele Migranten die so genannten Kojoten an – Schlepper, die sie gegen eine horrende Summe über die Grenze führen sollen. Kojoten sind alles andere als vertrauenswürdig und es kommt vor, dass sie die orientierungslosen Flüchtlinge in der Wüste ausrauben und allein zurücklassen. Um sich nicht mit Gewicht zu belasten, nehmen die Migranten so wenig Wasser wie möglich für die tagelange Wanderung mit. Wer sich in der Gluthitze verirrt oder aus Schwäche nicht weiter kann, ist verloren. 

Auf amerikanischer Seite leisten die Menschenrechtsorganisationen No More Deaths und Humane Borders humanitäre Hilfe. Sie platzieren Wassertanks an den Strecken der Flüchtlingstrecks, versorgen Migranten mit Nahrung, suchen und versorgen Verletzte. Damit verstoßen sie gegen amerikanisches Recht. So beantragte 2005 die US-Staatsanwaltschaft 15 Jahre Haft für zwei Helfer von No More Deaths, weil sie drei schwer verletzte Einwanderer ins Krankenhaus fahren wollten. Die entkräfteten Migranten waren bereits so dehydriert, dass sie kein Wasser mehr schlucken konnten. Beim Transport der Verletzten wurden die Aktivisten von der Bundespolizei aufgegriffen. Die Anklage lautete auf Verschwörung gegen die Vereinigten Staaten von Amerika und Menschenschmuggel. In einem Aufsehen erregenden Urteil wurden sie schließlich vom Richter freigesprochen.

Weit weniger mediale Aufmerksamkeit wird der Grenze im Süden Mexikos geschenkt, obwohl sich auch dort Migrationsdramen abspielen. Auf Hinwirken der USA begann Mexiko 2001 mit der „Versiegelung“ seiner Grenze zum Süden. Sowohl an der Nord- wie auch an der Südgrenze führte die strengere Grenzsicherung zu mehr Todesfällen, weil die heimlichen Einwanderer immer gefährlichere Wege gehen müssen, um nicht entdeckt zu werden. Erst nach durchschnittlich acht bis neun Versuchen schafft es ein Flüchtling aus Zentralamerika, durch Mexiko hindurch in die USA zu gelangen. Besonders an der Südgrenze Mexikos kommt es vor, dass Schlepper Frauen oder Kinder in die sexuelle Ausbeutung verkaufen. Oder ihnen wird das Geld durch korrupte Beamte oder bei Überfällen weggenommen, so dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als ihre Körper zu verkaufen. In den Grenzstädten Südmexikos befinden sich ausladende Rotlichtviertel, in denen Kinder und Frauen aus Honduras und El Salvador unter teils sklavenähnlichen Bedingungen in der Prositution arbeiten. Die meisten Minderjährigen darunter sollten von Schleusern zu ihren Eltern in die USA gebracht werden oder wurden von der Familie zur Ausreise nach Norden genötigt.