Kaffee

Das mit Abstand bedeutendste Erzeugnis für den Fairen Handel aus Mittelamerika ist Kaffee (LINK). In Mexiko, Costa Rica, Nicaragua, Honduras, Guatemala, El Salvador und Panama bauen Kooperativen die roten Kaffeekirschen zu fairen Bedingungen an. Als das anregende Genussmittel im 19. Jahrhundert in Europa zum Modegetränk wurde, brachte der Kaffee etwas Wohlstand in Teile der Region. Doch es dauerte nicht lang, bis sein Anbau gleichbedeutend mit rücksichtsloser Ausbeutung war, die den Widerstand der Kaffeebauern und Plantagenarbeiter provozierte. Inzwischen macht vor allem der niedrige Weltmarktpreis den Kleinbauern zu schaffen, der durch halbseidene Zwischenhändler noch weiter gedrückt wird. Der Faire Handel bewahrt in Mittelamerika vor allem indigene Kleinbauern davor, den Kaffeeanbau aufgeben zu müssen. Deutsche Fairhandelsorganisationen wie gepa, el puente oder dwp bieten Kaffeebohnen und -pulver der Kooperativen an. Wir stellen Ihnen eine Auswahl vor.

Zum Beispiel Costa Rica
Die gepa handelt mit Kaffee aus dem Hochland Costa Ricas. In dem zweitkleinsten Land Mittelamerikas ist ein großer Teil des Agrarlandes in der Hand von Familienbetrieben. Für diese kleinen und mittleren Betriebe liegt es nah, sich in Kooperativen zusammenzuschließen. Auch die Kleinbauern von Guanacaste und Monte de Oro taten sich 1961 in mehreren Gruppen zusammen. Die einzelnen Kooperativen erkannten, dass sie ähnliche Ziele und Schwierigkeiten hatten und sechs von ihnen gründeten Ende der 80er Jahre den Verband COOCAFE.
Seit die Kooperativen vereint auftraten, gewann ihr Wort bei Verhandlungen an Gewicht und plötzlich wurde COOCAFE sogar auf nationaler Ebene wahrgenommen. Heute vereint der Verband acht Kooperativen unter seinem Dach mit insgesamt 3.500 Mitgliedsfamilien. COOCAFE ist Mitglied im Verwaltungsrat einer wichtigen Exportorganisation Costa Ricas und im Vorstand des staatlichen Kaffeeinstituts.
Die Mitglieder der Kooperativen leben in armen Provinzen des für lateinamerikanische Maßstäbe sozial insgesamt gut gestellten Costa Ricas. Es gibt kaum Straßen, die in die Gebiete führen ganz zu schweigen von Anbindungen an das Stromnetz. In der Abgeschiedenheit können viele Menschen weder lesen noch schreiben und die Jugendkriminalität ist hoch.
Neben Kaffee bauen die Mitglieder von COOCAFE auch Pflanzen an, mit denen sie sich selbst versorgen können und deren Erträge sie teilweise auch verkaufen. Bei den Bauernfamilien wird der ökologische Anbau langsam wieder beliebter. Denn sie merken, dass der günstige organische Dünger die natürliche Bodenqualität verbessert. Um die Abtragung der Erde zu bremsen, forstet COOCAFE Freiflächen mit ausgewählten, heimischen Hölzern auf, die zugleich eine neue Einkommensquelle sind. Solche Alternativen sind wichtig, damit der Verband unabhängiger vom „launischen“ Kaffeemarkt wird. Deshalb vertreibt COOCAFE auch andere Produkte wie Macadamia-Nüsse, Bananen, Marmelade und Maniok-Chips.

Zum Beispiel Nicaragua
Im nicaraguanischen Hochland in der Gegend um den Ort San Juan del Rio gedeihen Bio-Arabica-Bohnen für den Fairen Handel. Sie reifen zwischen schattenspendenden Bananenstauden, Mango- und Zitronenbäumen heran. Gedüngt werden sie mit Mist und dem abgelösten Fruchtfleisch der Kaffeekirschen. Durch den Verzicht auf industrielle Chemie bleibt der Lebensraum auch für andere Gewächse erhalten, die das Erdreich mit ihren Wurzeln vor Erosion bewahren. Die Kleinbauern in der UCPCO (Union de Cooperativas Producotras de Café Orgánica, was Vereinigung der Biokaffee produzierenden Genossenschaften heißt) verwenden schon seit den 80er Jahren weder Kunstdünger noch künstliche Pestizide. Vor der Agrarreform waren die rund 100 Mitglieder Landlose und Kleinstbauern, denen im wichtigsten Kaffeeanbaugebiet Nicaraguas schließlich Boden zugeteilt wurde.

Zum Beispiel El Salvador
„La Cortadora“ bedeutet „die Kaffeepflückerin“ und ist der Name eines Biokaffees aus El Salvador, dem kleinsten Land Mittelamerikas. Zum Kaffee verarbeitet werden ausschließlich Bohnen der Sorte Arabica. Sie werden von den beiden Kooperativen Santa Adelaida und El Espino angebaut, die unweit voneinander auf 800 bis 1500 Metern Höhe die Plantagen bestellen. Die kleinere von beiden, El Espino, schmiegt sich an den Sockel eines Vulkans und insgesamt haben die Kooperativen 378 Mitglieder. Auf dem Gelände der Santa Adelaida steht eine Weiterverarbeitungsanlage für die roten Kaffeekirschen. El Espino inspirierte der ökologische Anbau dazu, einen Naturpark einzurichten. Mit Wanderwegen und einem kleinen Café ausgestattet wurde er zu einem willkommenen Naherholungsgebiet für die stadtgeplagten Menschen aus dem nicht weit entfernten San Salvador. Die Sozialprämien aus dem Fairen Handel geben die Kooperativen für Bildung und Gesundheit aus.

Zum Beispiel Mexiko
In den armen südlichen Bundesstaaten Chiapas und Oaxaca lebt ein Großteil der indigenen Bevölkerung Mexikos. Wiederholt waren sie Schauplatz von Prostesten und Aufständen. So sympathisieren in Chiapas viele Bauern mit der „Zapatistischen Armee der Nationalen Befreiung“ – eine indigene Guerillaorganisation mit zivilen und militärischen Strukturen. 
In beiden Bundesstaaten bemühen sich indigene Bauernfamilien über den Fairen Handel um bessere Lebensbedingungen. Ein Beispiel ist die UCIRI in Oaxaca, die 2.300 Mitglieder starke „Vereinigung der Indianergemeinden der Region der Landenge“. Wie andere Kaffeekooperativen standen sie am Anfang vor der schwierigen Herausforderung, unabhängig von den mafiaähnlich organisierten Zwischenhändler („Kojoten“) zu werden. Die ausbeuterischen Händler kontrollierten neben der Vermarktung auch den Transport der Kaffeeernten. Mit kirchlicher Unterstützung kaufte sich UCIRI also Lastwagen und Busse, mit denen die halsabschneiderischen Aufkäufer der Kaffeeriesen überflüssig werden sollten. Die Kojoten sahen dem Verlust ihres Geschäfts nicht tatenlos zu und erhöhten den Druck auf die eigenwilligen Bauern: Menschen, die direkt oder indirekt mit der UCIRI zu tun hatten, wurden erschossen, Fracht wurde verbrannt und Fahrzeuge gingen in Flammen auf. Aber die Kleinbauern boten der Mafia erfolgreich die Stirn, was sie ohne die Hilfe durch den Fairen Handel nicht geschafft hätten. Heute ist die UCIRI ein Vorbild für Kooperativen in der ganzen Region und verkauft ihren Biokaffee nach Deutschland und in den Rest Europas.

In Chiapas ist die OPCAAC, die Organisación de Productores de Café de Ángel Albino Corzo, ein relativ neuer Partner im Fairen Handel. Seit 2006 wird ihr hochwertiger Bio-Kaffee in Deutschland verkauft. Auch sie mussten sich zunächst vom Netzwerk der Kojoten unabhängig machen. Besonders wichtig dafür war die Bereitstellung von Kleinkrediten aus einem  Fonds der OPCAAC. In verschiedenen Komitees entscheiden die Mitglieder demokratisch, wie zum Beispiel mit der Zertifizierung des Bio-Anbaus, des Marketings oder der Weiterbildung verfahren werden soll. Schon wurden erste Erfolge vermeldet: Unter anderem konnten an alle 150 Mitglieder neue Schälmaschinen geliefert werden, mit der die Kaffeebohnen vom Fruchtfleisch getrennt werden.