Arbeitsbedingungen

Arbeitsbedingungen auf den Baumwollfeldern

Während ein baumwollenes Kleidungsstück manchmal nur wenige Euro kostet, bezahlen viele Feldarbeiter und Bauern einen ungleich höheren Preis: Baumwolle kann sie ihre Gesundheit kosten. Ohne den Einsatz von Pestiziden würden Schädlinge die konventionellen Baumwollkulturen im Zeitraffer ruinieren. Also werden die Felder mit großen Mengen toxischer Pflanzenschutzmittel besprüht oft ohne Rücksicht auf die Feldarbeiter. Es kommt vor, dass Flugzeuge "Giftduschen" abgeben, während sich die Arbeiter auf den Feldern befinden. Häufig sprühen die Bauern und Feldarbeiter die Pestizide per Hand auf die Pflanzen. Angemessene Schutzanzüge oder Atemmasken können sie sich meist nicht leisten und werden ihnen in der Regel nicht gestellt. Eine vorhandene Schutzkleidung wird wegen der Hitze auf den Feldern oft nicht angezogen.

An den Folgen von Pestizid-Vergiftungen sterben jährlich nach Schätzung der Weltgesundheitsorganisation bis zu 40.000 Feldarbeiter, ein Viertel davon im Baumwollanbau. Weit mehr Landarbeiter tragen schlimme gesundheitliche Schäden davon. Sie leiden an Erkrankungen der Atemwege, der Haut, der Augen und der Nerven. Außerdem haben sie ein hohes Risiko, Krebs zu bekommen, unfruchtbar zu werden oder Babys mit Missbildungen auf die Welt zu bringen. Eine Behandlung beim Arzt können sich nur die wenigsten von ihnen leisten. Dass die Arbeiter von Baumwollplantagen eine Lebenserwartung von 40 Jahren haben, kann man aber nicht nur auf den Kontakt mit Pflanzenschutzmitteln zurückführen: Ihre ärmlichen Lebensumstände von der Ernährung bis zur Unterkunft sind insgesamt katastrophal.

Besonders zerstörerisch wirken Pestizide auf die noch nicht ausgewachsenen Organe von Kindern, die im Baumwollanbau arbeiten. Kinder werden häufig für Aufgaben eingesetzt, bei denen sich Erwachsene bücken müssten oder die besonderes Geschick erfordern. Meist sammeln sie Schädlinge von den Pflanzen oder pflücken die Baumwolle.

Frauen und Mädchen treffen die härteren Seiten des Baumwollanbaus. Als unbezahlte "Familienmitglieder" oder Tagelöhnerinnen verrichten sie die schwersten Arbeiten. Besonders schlecht ergeht es den Frauen im afrikanischen und südasiatischen Baumwollanbau, der fest in Männerhand ist. Die Männer verweigern den Frauen den Zugang zu Betriebsmitteln und Anbaugemeinschaften, damit sich die Frauen nicht selbständig machen können.

Auch Zwangsarbeit ist ein Problem im Baumwollanbau. Dass sich die Arbeiter zusammentun und bessere Arbeitsbedingungen fordern, wollen die Besitzer der Baumwollfarmen unbedingt verhindern. Es ist ihnen deswegen verboten, sich zu organisieren.