Arme Menschen sind die zuverlässigsten Kreditnehmer

IAM-Aussteller Oikocredit vergibt Darlehen an "Nicht-Bankfähige"

Der zuverlässigste Kreditnehmer betreibt ein Kleinstunternehmen, lebt in einem Entwicklungsland und ist eine Frau. So lässt sich, etwas pointiert, die Erfahrung von Oikocredit zusammenfassen. Nur 0,8 Prozent der ausgezahlten Darlehen musste die internationale Genossenschaft im Geschäftsjahr 2005 abschreiben. Eine Quote, von der viele IAM-Aussteller nur träumen können. Was macht Oikocredit anders? "Wir vergeben Kredite an Menschen, die für viele Finanzinstitute als nicht bankfähig gelten: weil sie arm sind, weil sie keine Sicherheiten bieten können oder schlicht das ‘falsche’ Geschlecht haben. Doch gerade diese Menschen erweisen sich als äußerst zuverlässige Geschäftspartner", sagt Ulrike Chini, Geschäftsführerin des Bonner Oikocredit-Büros.

Seit mehr als 30 Jahren vergibt die Ökumenische Entwicklungsgenossenschaft Oikocredit Darlehen nach Afrika, Asien, Lateinamerika und Mittel- und Osteuropa. Das Gesamtkapitalvolumen liegt zurzeit bei 260 Millionen Euro, damit ist die Genossenschaft mit Hauptsitz im niederländischen Amersfoort einer der größeren Player im ethischen Investment. Etwa 600 Darlehen über rund 200 Millionen Euro sind zurzeit vergeben.

Erfolgsfaktoren: Verlässliche Partner und sorgfältige Betreuung
Über die gesamten 30 Jahre liegt die durchschnittliche Rückzahlungsrate von Oikocredit-Darlehen bei 90 Prozent und ist damit erstaunlich hoch, denn Wirtschaftskrisen oder Naturkatastrophen wirken sich in armen Ländern besonders schlimm aus. In den letzten Jahren wurden stabil mehr als 95 Prozent der Oikocredit-Darlehen zurückgezahlt. Dafür sieht Ulrike Chini mehrere Gründe: "Wir haben das weltweite Netz unserer Büros kontinuierlich ausgebaut, zurzeit sind es mehr als 30 Regional- und Länderbüros. Sie sind mit einheimischen Fachkräften besetzt, denn die kennen die Menschen und die Situation vor Ort. Das ist eine wichtige Voraussetzung für die erfolgreiche Auswahl und Beratung von Geschäftspartnern. Außerdem vergeben wir seit der Währungskrise in Südostasien auch Darlehen in der jeweiligen Landeswährung, das erleichtert den Kreditnehmern oft die Rückzahlung." Ein weiterer Grund für die positive Entwicklung: Oikocredit investiert verstärkt in Institutionen, die Mikrokredite vergeben, meist Summen von 50 bis 500 Euro. Diese Art der Darlehensvermittlung ist besonders erfolgreich: Nicht wenige Mikrofinanzinstitutionen verzeichnen Rückzahlungsquoten von 98 bis 100 Prozent. Mikrokredite erreichen die besonders arme Bevölkerung und werden meist an Frauen vergeben - eben an die zuverlässigsten Kreditnehmer. Erfolgreich sind Mikrokredite aber auch in sozialer Hinsicht. Sie gelten als eine der besten Strategien, um Menschen die Chance zu geben, sich eine gewerbliche Existenz aufzubauen und die regionale Entwicklung zu fördern.

Entwicklungsförderung ist auch ein wesentliches Motiv für diejenigen, die Anteile der Genossenschaft Oikocredit erwerben. "Unsere Anleger wollen, dass ihr Geld nicht nur umwelt- und sozialverträglich arbeitet, sondern auch zu international gerechteren Verhältnissen beiträgt", so Ulrike Chini. Oikocredit-Anteile sind ab 200 Euro erhältlich. Die Dividende ist auf zwei Prozent begrenzt, wird aber durch die Stabilität der Anlage attraktiv: "In 30 Jahren hat noch kein Anleger einen Cent verloren - denn die Armen sind die zuverlässigten Kreditnehmer."

Kontakt
Oikocredit Westdeutscher Förderkreis
Adenauerallee 37
53113 Bonn
Tel.: 0228/92597-38/39
E-Mail: oikocredit.bonn @ t-online.de
www.oikocredit.org