Stadt München für ethisches Vermögensmanagement

19.02.2008. Stadtrat beschließt Neuausrichtung des Vermögensmanagements nach ethischen und ökologischen Kriterien

Einstimmig hat der Stadtrat am 19. Februar 2008 eine bahnbrechende Entscheidung zum Vermögensmanagement der Stadt München beschlossen:

Wertpapieranlagen der Stadt - die zum Beispiel als Risikovorsorge für die nicht unerheblichen Lasten der künftigen Pensionsverpflichtungen aufgebaut werden - sollen künftig an "ethischen, ökologischen und nachhaltigen" Kriterien ausgerichtet werden. Diese so genannte "Sustainability" (Nachhaltigkeit) erweitert das "magische Dreieck" der gesetzlich verankerten kommunalen Anlagegrundsätze "Sicherheit, Rentierlichkeit und Verfügbarkeit" um ein viertes, das durchaus als "Anlage mit Prinzipien" bezeichnet werden kann.

Diese Prinzipien lassen sich allgemein wie folgt umschreiben:
1. München investiert in Körperschaften beziehungsweise Unternehmen, die sich so verhalten, dass über die Bedürfnisse der heutigen Generation hinaus die Bedürfnisse auch der künftigen Generation im Fokus bleiben.

2. München berücksichtigt bei der Geldanlage vorrangig Partner, die für eine faire Arbeits- und Sozialumwelt sorgen, zum Beispiel familienfreundliche Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten und Arbeitssicherheit bieten.

3. München weitet seine Investments auf Partner aus, die nachhaltig mit ökologischen Ressourcen umgehen, die in ihrer Geschäftspolitik auf Umweltverträglichkeit achten oder diese fördern.

Der Startschuss soll zum 1. Januar 2008 fallen. Die Stadtkämmerei als Assetmananger der Landeshauptstadt München schlägt folgendes Vorgehen vor: Als ersten Schritt wird sie einen Betrag von 50 Millionen Euro in einen Spezialfonds investieren, der ausschließlich Wertpapiere mit den vorgenannten Kriterien beinhaltet. Als zweiten Schritt wird die Stadtkämmerei alle weiteren bestehenden Investments darauf hin untersuchen, in welchem Ausmaß eine Anlage nach dem Grundsatz der "Sustainability" möglich und zweckdienlich ist, und sukzessive eine entsprechende Ausrichtung vornehmen. Die Kämmerei geht dabei - freiwillig und aus voller Überzeugung, wie Stadtkämmerer Dr. Ernst Wolowicz versichert - noch über den Antrag der Grünen-Stadträtin Sabine Krieger hinaus. Sie hatte als Einstieg "lediglich" gefordert, mindestens 20 Prozent des städtischen Vermögens nach ethisch/ökologischen Kriterien anzulegen.

Die Stadtkämmerei - für ihre finanzielle Professionalität weit über München hinaus bekannt - betont, dass sie durchaus in der Lage ist, die Sicherheit nachhaltiger, ethischer und ökologischer Investments ohne Abstriche zu gewährleisten. Die vom Stadtrat im Juli 2007 genehmigten Anlagestrategien, die erstmals auch eine Investition in kleinere Unternehmen zulassen, machen dies möglich. Die Entwicklungen der letzten Jahre und zahlreiche Studien zeigen, dass nachhaltige, ethische und ökologische Geldanlagen keinen Verzicht auf Rendite bedeuten, sondern dass sich die Zukunftsorientierung unter Umständen sogar renditesteigernd auswirkt.

Bürgermeister Hep Monatzeder begrüßt den Vorschlag der Kämmerei sehr: "Dies ist ein ganz wichtiger Baustein für eine nachhaltige Entwicklung Münchens! Denn die bisherige Situation war schon sehr unbefriedigend: Auf der einen Seite engagieren wir uns intensiv für den Erhalt der Umwelt, für soziale Gerechtigkeit und für das Wohlergehen künftiger Generationen. Auf der anderen Seite haben wir möglicherweise mit unseren Geldanlagen Unternehmungen unterstützt, die alles andere als umweltfreundlich, sozialverträglich und zukunftsfähig sind, und damit unsere eigenen Bemühungen konterkariert. Ich freue mich, dass wir nun eine Möglichkeit haben, diesen Widerspruch aufzulösen und unser Geld für und nicht mehr gegen uns arbeiten zu lassen. Eine überzeugendere und unaufwändigere Art und Weise, sich für nachhaltigen Entwicklung einzusetzen, ist kaum vorstellbar. Daher bin ich sicher, dass wir auch mit dieser Entscheidung auf ein großes überregionales Interesse stoßen und viele Nachahmer finden werden - bei anderen Kommunen und Unternehmen ebenso wie bei Münchner Bürgerinnen und Bürgern."

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