Andine Hochkulturen

In den Anden entstanden mehrere Hochkulturen, von denen die bedeutendsten in der Zentralregion siedelten. Nach mehreren Jahrtausenden als Jäger und Sammler bauten die Südamerikaner seit etwa 6.000 vor unserer Zeitrechnung nachweislich Kulturpflanzen wie Mais, Kartoffeln und Baumwolle an und domestizierten Tiere wie Alpacas, Lamas, Hunde und als Fleischlieferanten Meerschweinchen. Die Felderträge wurden später mit Hilfe von Bewässerungsterrassen gesteigert. Küstennahe Zivilisationen lernten, vom Fischreichtum zu leben und fingen die Meerestiere z. B. mit Haken aus Kaktusstacheln. Ab ungefähr 1.000 vor Christus dehnten einige Andenvölker ihre Kultur über die Grenzen ihres Stammgebietes hinweg aus. Vermutlich spielte die den unterschiedlichen Kulturen gemeine Verehrung einer Jaguargottheit dabei eine wichtige Rolle.

Während die erste Keramik mindestens schon 3.000 vor dem Jahr Null hergestellt wurde, fanden die Andenbewohner 1.000 Jahre danach auch heraus, wie sich Metall verarbeiten lässt, zuerst Gold und später auch Silber. Die erstaunlichen kunsthandwerklichen Fähigkeiten erreichten in der klassischen Periode etwa 600 n. Chr. ihren Höhepunkt. Meisterhaft waren auch die Webtechniken, die Herstellung von Getöpfertem und die Baukunst. Es enstanden prächtige Tempelbauten und eine komplexe Stadtarchitektur. Die Nazca-Kultur zog die berühmten Linien in den Wüstenboden, über deren Bedeutung noch heute gerätselt wird - die Vermutungen reichen von einem gigantischen Kalender bis zu einer Landebahn für Außerirdische.


Ab etwa 1430 unterwarfen die Inka innerhalb von nur etwa einem Jahrhundert die anderen Andenkulturen und bauten ihr straff organisiertes Reich auf, das einzige Imperium des vorkolumbischen Amerikas. Die Sonnensöhne übernahmen den Straßenbau von den Moche und errichten ein imposantes Verkehrsnetz mit einer 5.200 Kilometer langen Hauptstrecke durch die Anden. Priester und Adlige standen an der Spitze der  Inka-Gesellschaft direkt unter dem sakralen Herrscher. Dieser König, der Inka, stellte die Inkarnation der Sonne auf Erden dar und damit des Sonnengottes Inti. Besonders verehrt wurden auch die Mondgöttin Mamquilla, der Gewittergott Illapa und die Mutter Erde Pachamama. Verglichen mit den zentralamerikanischen Maya und Azteken brachten die Sonnensöhne ihren Göttern sehr selten Menschenopfer dar.
Die meisten Inka leben als Bauern und bestellten ihnen zugeteilte Felder, die sie bewirtschaften durften, aber nicht besaßen. Eine besondere Tätigkeit war der Meldedienst, mit dem Nachrichten wie bei einem Staffellauf übermittelt wurden. Begabte Läufer waren an den Reichsstraßen platziert, wo sie auf eingehende Botschaften warteten, die sie flugs dem nächsten Posten überbrachten.