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Pakistan: Bedrohung durch Islamisten

Das Gesicht der südasiatischen Staaten wird nicht zuletzt durch die Vielfalt der Religionen geprägt. Zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften kommt es jedoch immer wieder zu Konflikten, die die Länder Südasiens vor ernste innen- und außenpolitische Probleme stellen. Eines der drängendsten Probleme ist derzeit der Kampf Pakistans gegen die radikalislamischen Taliban.

Schon in den 1980er Jahren unterstützte Pakistan die in Afghanistan gegen den Einmarsch der Sowjetunion kämpfenden Mudschaheddin. Ab 1994 galt die Unterstützung in Afghanistan den Taliban, die sich nach dem Abzug der sowjetischen Truppen zunächst als Miliz in Abgrenzung zu den Mudschaheddin gegründet hatten. Darüber hinaus unterstützte die Regierung in Islamabad auch in der Region Kaschmir die Unabhängigkeitsbewegungen islamistischer Gruppierungen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde zwar auch Pakistan Teil der von den USA ausgerufenen Allianz im „Krieg gegen den Terrorismus“, ging aber nicht gegen die Netzwerke islamistischer Organisationen im eigenen Land vor. Zudem blieb es den afghanischen Taliban erlaubt, sich in der von paschtunischen Stämmen bewohnten, halbautonomen Grenzregion von Pakistan und Afghanistan, den so genannten Stammesgebieten, auch auf pakistanisches Staatsgebiet zurückzuziehen. Ideeller Nachschub kommt aus dem Ausland und den zahlreichen religiösen Schulen (Madrasas), die das dürftige Schulsystem Pakistans ergänzen. Und auch materiell und personell werden die afghanischen Taliban nach wie vor von pakistanischem Gebiet aus versorgt. Zugleich findet die Forderung, das private und gesellschaftliche Leben einem strengen, fundamentalistischen Islam zu unterwerfen auch im restlichen Land zunehmend Befürworter. Immer wieder kommt es zudem zu islamistisch motivierten Anschlägen auf pakistanische Regierungseinrichtungen und die Sicherheitskräfte des Landes mit zahlreichen Toten und Verletzten.

Die pakistanische Regierung geht auch militärisch gegen die gewalttätigen Islamisten im Land vor, konnte bislang aber deren zunehmenden Einfluss kaum eindämmen. Ende 2008 nahmen die Taliban das Swat-Tal im Nordwesten Pakistans ein, im Frühjahr 2009 dort die Großstadt Mingora, von wo sie in wochenlangen Kämpfen durch die pakistanische Armee zurückgeschlagen wurden. Infolge der Auseinandersetzungen sind Millionen Pakistanis auf der Flucht, Tausende verlassen täglich das Land.