Sri Lanka: Fast 30 Jahre Bürgerkrieg

Der Name „Sri Lanka“ bedeutet strahlend schönes, königlich leuchtendes Land. Und tatsächlich ist die Landschaft des Inselstaates als strahlend schön zu bezeichnen. Zudem kann das Land auf eine hohe Lebenserwartung, geringe Analphabetenquote und verhältnismäßig hohes Pro-Kopf-Einkommen stolz sein. Doch der Konflikt zwischen singhalesischer Bevölkerungsmehrheit und der tamilischen Minderheit überschattet die Erfolge des Landes und hemmt seine Entwicklung erheblich. Tausende Einwohner verließen das Land, Wirtschaft und Landwirtschaft vor allem im Norden und Osten des Landes konnten sich in der Vergangenheit nicht weiterentwickeln.

Das einstige Ceylon wurde von Siedlern aus Nord- und Südindien gegründet, die jedoch keine leere Insel vorgefunden hatten. Bis heute gehören auch die etwa 2.500 Nachfahren der Ureinwohner, der Wedda, zu den rund 20 Millionen Einwohnern des Landes. Wie die buddhistischen Singhalesen lebten auch die überwiegend hinduistischen Tamilen in verschiedenen Königreichen. Nach den Portugiesen, die bereits Anfang ds 16. Jahrhunderts auf der Insel gelandet waren, übernahmen ab 1660 die Holländer die Kolonialmacht, bis Ceylon schließlich ab 1796 unter britischer Herrschaft stand. Weil sie oftmals lesen und schreiben konnten und zudem den Englischen mächtig waren, wurden bevorzugt Angehörige der tamilischen Minderheit als Verwaltungsbeamte der Kolonialherren eingesetzt und auch auf andere Weise begünstigt. In den Augen der singhalesischen Bevölkerungsmehrheit waren die Tamilen daher Repräsentanten der Kolonialmacht. Nach der Unabhängigkeit Ceylons von Großbritannien im Jahr 1948 strebten die Singhalesen daher danach, ihre Macht wieder herzustellen und die Tamilen auf den Platz einer geduldeten Minderheit zu verweisen.

So wurden Sinhala zur alleinigen Landessprache und der Buddhismus zur vorrangigen Religion erklärt; Quoten begrenzten Arbeits-, Ausbildungs- und Studienplätze für Tamilen. Auch Landbesetzungen, Vertreibungen und Enteignungen setzten der tamilischen Bevölkerung zu. Im Jahr 1972 wurde der Machtanspruch der Singhalesen festgeschrieben und das Land in Sri Lanka umbenannt. Mehrere tamilische Parteien und Organisationen schlossen sich daraufhin zusammen und forderten einen eigenen tamilischen Staat im Norden und Osten des Landes. Einige Gruppen griffen für diesen Kampf auch zu Waffen. Als 1983 bei einem von Tamilen durchgeführten Anschlag auf eine Militäreinrichtung 13 singhalesische Soldaten starben, kam es landesweit zu Progromen, die zwischen 1.000 und 3.000 Tamilen das Leben kosteten und 100.000 Menschen zur Flucht zwangen. Damit begann ein blutiger Bürgerkrieg, der erst im Mai 2009 mit einer Niederlage der „Befreiungstiger von Tamil Elam (LTTE)“ ein vorläufiges Ende fand.

Beide Seiten führten diesen Krieg blutig und rücksichtslos: Luftbombardements auf tamilische Gebiete, Angriffe auf die Zivilbevölkerung, die Rekrutierung von Kindersoldaten, Selbstmordanschläge und immer wieder das „Verschwindenlassen“ unliebsamer Personen forderten nach Schätzungen der Vereinten Nationen 100.000 Menschenleben. Etwa 300.000 Menschen, darunter rund 90.000 Kinder ohne Eltern, flohen vor dem Bürgerkrieg in andere Landesteile. Sie wurden in 40 Flüchtlingslagern untergebracht, in denen es an Nahrungsmitteln, Trinkwasser, Hygiene und medizinischer Versorgung fehlt. Unabhängigen Beobachtern und internationalen Hilfsorganisationen wird der Zugang zu diesen Lagern verwehrt.