Betriebsumstellung

Bloß weil ein Landwirt ab einem bestimmten Zeitpunkt die Hühner nicht mehr in Käfigen hält, betreibt er noch keine ökologische Landwirtschaft. Die Umstellung von konventionellem auf ökologisches Wirtschaften ist die Einführung einer völlig anderen Art der Landbewirtschaftung. Sie erfordert, vor allem bei tierhaltenden Betrieben, große Investitionen und ist eine langfristige Entscheidung.

Bis ein Betrieb sich und seine Produkte ökologisch nennen darf, hat er eine Umstellungsphase zu absolvieren. Mitglieder ökologischer Anbauverbände müssen ihren kompletten Betrieb nach den jeweiligen Richtlinien bewirtschaften. In Betrieben, die lediglich auf der Grundlage der EG-Öko-Verordnung wirtschaften, sind auch Teilumstellungen möglich: Auf demselben Betrieb dürfen danach zum Beispiel Rinder ökologisch und Hühner konventionell gehalten und gefüttert werden. Flächen, auf denen Futtermittel angebaut werden, müssen aber auch nach der EG-Verordnung vollständig ökologisch bewirtschaftet werden.

Weil sich der Boden nur langsam von Düngemitteln und intensiver Landwirtschaft erholt, dauert es lange, bis darauf angebaute Pflanzen wirklich Bio-Qualität haben können. So müssen zum Beispiel für Getreide die Richtlinien des ökologischen Anbaus schon zwei Jahre vor der Aussaat auf der Fläche befolgt worden sein. Weiden und Mähwiesen brauchen ab dem Moment der letzten konventionellen Maßnahme wie etwa einer Düngung oder einem Pflanzenschutzmitteleinsatz zwei Jahre, bis sie als ökologisch gelten. Gemäß der EG-Öko-Verordnung brauchen Weiden für Schweine und andere Nicht-Pflanzenfresser nur ein Jahr zur Umstellung. Die ökologischen Anbauverbände lassen nur eine geschlossene Umstellung des gesamten Betriebes zu, so dass es keine speziellen Umstellungsfristen für Pflanzen gibt. Pflanzliche Erzeugnisse von Umstellungsflächen dürfen nicht als Bio-Lebensmittel vermarktet werden. Stattdessen kommen sie konventionell oder mit einem Hinweis auf die Umstellung auf Bio-Landbau in den Verkauf. Die Umstellungszeit für Tiere und tierische Produkte variiert nach der Tierart. Tiere, die gemäß der EG-Öko-Verordnung auf einem nicht vollständig umgestellten Betrieb gehalten und gefüttert wurden, dürfen nach Ablauf folgender Fristen als ökologisch vermarktet werden:
  • Fleischrinder: 16 Monate
  • Fleisch von Schweinen, Schafen, Ziegen: sechs Monate
  • Milch von Kühen, Schafen, Ziegen: sechs Monate
  • Fleisch von Hühnern, Enten, Gänsen, Puten: zehn Monate

Wird, wie bei den ökologischen Anbauverbänden üblich, der gesamte Betrieb gleichzeitig auf ökologische Landwirtschaft umgestellt, gelten folgende Fristen, bis die Produkte das Verbandszeichen tragen dürfen:

  • Milch: sechs Monate
  • Eier: sechs Wochen
  • Fleisch: zwölf Monate, wobei die Umstellung der Futtermittelflächen aber schon länger als zwölf Monate vorher begonnen haben muss. Bei Bioland müssen die Rinder zudem mindestens drei Viertel ihrer Lebenszeit unter Bioland-Bedingungen gelebt haben.
  • Schweine: sechs Monate. Bei Demeter dürfen zudem Tiere, die als konventionelle Ferkel eingekauft wurden, nach sechs Monaten lediglich als "aus Umstellung" verkauft werden. Darüber hinaus hat Demeter auch für Ferkel von anderen ökologischen Betrieben, die jedoch nicht zu Demeter gehören, eine Umstellungsfrist von vier Monaten. Erst nach zwei Jahren dürfen Schweine mit dem Zeichn von Demeter verkauft werden. Dies betrifft allerdings nur Zuchttiere, da Schlachttiere gar nicht so alt werden. Auf diese Weise sichert Demeter, dass genügend ökologisch aufgezogene Ferkel zur Verfügung stehen.