Fütterung

Der Grundsatz der artgerechten Haltung betrifft auch die Futtermittel: Die Tiere sollen Futter bekommen, das ihren Gewohnheiten, Vorlieben und Bedürfnissen entspricht. Gleichzeitig wird auch hier danach gestrebt, schonend mit natürlichen Ressourcen umzugehen und Schadstoffe auszuschließen.

Futtermittel aus gentechnisch veränderten Pflanzen sowie Zutaten, Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe, die mit Hilfe gentechnisch veränderter Organismen hergestellt wurden, sind im Bio-Landbau verboten. Auch antibiotische Leistungsförderer und andere Masthilfsmittel sowie isolierte synthetisch hergestellte Eiweißbausteine (Aminosäuren) sind unzulässig. Futtermittel, die wie Extraktionsschrot aus der Öl-Herstellung gesundheitlich bedenkliche Rückstände chemischer Hilfsmittel enthalten können, sind ebenfalls von der Verfütterung ausgeschlossen.

Das Futter für ökologisch gehaltene Tiere muss ebenfalls ökologisch erzeugt sein. Es sollte dabei im Sinne der Kreislaufwirtschaft weitestgehend vom eigenen Betrieb kommen. In Ausnahmefällen ist, nach vorheriger Genehmigung durch die Kontrollstellen, auch der Zukauf anderer ökologisch erzeugter oder konventioneller Futtermittel möglich. In den Regelungen zum Zukauf unterscheiden sich EG-Öko-Verordnung und Bio-Anbauverbände erheblich:

Die EG-Öko-Verordnung macht keine Angaben darüber, wie viel Bio-Futtermittel von anderen Betrieben zugekauft werden darf. Bei den ökologischen Anbauverbänden ist der Zukauf betriebsfremder ökologischer Futtermittel auf höchstens 50 % des Futters für eine Tierart begrenzt. Mitglieder bei Demeter dürfen höchstens 20 % des Futters von Bio-Betrieben anderer Anbauverbände zukaufen. Wenn nicht genug ökologisch erzeugtes Futtermittel verfügbar ist, dürfen in begrenztem Umfang auch konventionelle Futtermittel zugekauft werden. Dabei ist die Auswahl jedoch auf eine kleine Anzahl konventioneller Futtermittel beschränkt, die in der EG-Öko-Verordnung bzw. den Richtlinien der Bio-Verbände speziell für diesen Zweck zugelassen wurden. Höchstens 10 % des Futters für Pflanzenfresser und 20 % des Schweine- und Geflügelfutters dürfen nach europäischem Recht pro Jahr aus konventioneller Erzeugung stammen. Die Anbauverbände beschränken den Zukauf des Gesamtfutters stärker, wobei in ihren Richtlinien deutlich weniger konventionelle Futtermittel zugelassen sind. Demeter beschränkt den Zukauf von ökologischen Futtermitteln aus Nicht-Demeter-Betrieben und konventioneller Erzeugung auf insgesamt 20 % pro Jahr.

Betriebe, die sich noch in der Umstellung von konventioneller zu ökologischer Landwirtschaft befinden, bauen auf ihren Flächen auch Futtermittel nach Bio-Regeln an. Diese Futtermittel dürfen für anerkannt ökologische Tiere ebenfalls nur begrenzt verwendet werden. Dies ist eine Frage der Konsequenz und der Verbrauchererwartung: Wer Bio-Fleisch kauft, erwartet auch Bio-Fütterung. Höchstens 30 % der von anderen Betrieben zugekauften Futtermittel dürfen nach den Regeln der EG-Öko-Verordnung von Umstellungsflächen stammen. Wenn das Futter von betriebseigenen Umstellungsflächen ist, darf es 60 % des Gesamtfutters ausmachen. Auch hier sind die Richtlinien der Anbauverbände zum Teil strenger: Demeter beschränkt die Verfütterung von Umstellungsfutter generell auf höchstens 33 %.

Auch im ökologischen Landbau gibt es Zusatzstoffe in Futtermitteln. Es sind jedoch längst nicht alle gängigen erlaubt. Die EG-Öko-Verordnung und die Richtlinien der Anbauverbände erlauben nur einige wenige wie organische Konservierungsstoffe, Mineralstoffe, Spurenelemente, einige Enzyme und Mikroorganismen. Für Schweine und Wiederkäuer (Rinder, Schafe, Ziegen) sind in Ausnahmefällen auch einige synthetisch hergestellte Vitamine im Futter erlaubt. Dies muss jedoch beantragt und eigens bewilligt werden.

Säugetiere
Ferkel, Kälber, Lämmer, Fohlen und junge Ziegen werden im ökologischen Landbau auf der Grundlage natürlicher Milch ernährt. In der konventionellen Landwirtschaft weit verbreitete so genannte Milchaustauscher sind verboten. Mindestens drei Monate erhalten Kälber, Fohlen und Ferkel mindestens 40 Tage Milch, vorzugsweise von ihren Muttertieren.

Pflanzenfresser brauchen für ihre Verdauung Raufutter wie Gras, Stroh oder Heu. Mindestens die Hälfte ihrer täglichen Futterration muss daher im Bio-Landbau aus Raufutter bestehen. Auch Schweinen wird stets Raufutter angeboten.

Heute ist es kein Problem mehr, Rinder und andere Pflanzenfresser bedarfsgerecht ökologisch zu ernähren. Im Sommer fressen Milchkühe Grünfutter auf der Weide, im Winter erhalten sie Heu und Silagen aus Mais, Getreide sowie eiweißreichen Klee oder Luzerne. Fleischrinder bekommen zusätzlich ökologisches Kraftfutter, das durch Getreide, Leguminosen (Klee, Luzerne) und Öl-Kuchen viel Energie und Eiweiß zum Muskelaufbau liefert.

Geflügel
Hühner, Enten, Gänse und Puten erhalten überwiegend Getreidefutter. Auch ihnen wird Raufutter angeboten. Hühner, die sich im Freiland auch Würmer und Larven suchen, brauchen hochwertiges Eiweiß. Die EG-Öko-Verordnung erlaubt mit dieser Begründung die Verfütterung von Fischmehl und Fischöl an Geflügel (maximal 20 % des Futters). Die Bio-Anbauverbände verbieten die Verfütterung von Fischprodukten ausnahmslos für alle Nutztiere. Sie setzen auf die Verfütterung pflanzlicher Eiweiße - Würmer und Insekten finden die Tiere in Freilandhaltung selbst.