Zucht

In der konventionellen Landwirtschaft geht es in der Tierzucht vor allem um Mehr: Mehr Wachstum in kürzerer Zeit, mehr Milch, mehr fettarmes Muskelfleisch, mehr Eier und so weiter. Hochleistungstiere sind vielfach anfällig für Stress und Krankheiten und brauchen zudem spezielle energiereiche Futtermittel, um ihre Leistung zu bringen. Im ökologischen Landbau sollen die Tiere dagegen gut an ihre Umwelt angepasst und widerstandsfähig gegen Krankheiten sein. Sie müssen sich für eine ökologische Haltung mit Auslauf und ohne Kraftfutter eignen. Regionaltypische Rassen werden daher in der Haltung bevorzugt. Gentechnisch veränderte Tiere sind für den Bio-Landbau verboten.

Idealerweise sollten ökologische Lebensmittel von Tieren stammen, die seit ihrer Geburt in ökologischer Haltung lebten. Dies ist zurzeit leider noch nicht immer möglich. Rinder, Schafe und Ziegen können Bio-Landwirte schon heute von Züchtern beziehen, die die Tiere ökologisch aufziehen. Für Schweine und Geflügel gibt es aber derzeit noch nicht genug Bio-Zuchtbetriebe. Ein weiteres Problem sind die Transportwege. Denn möglicherweise gibt es zwar einen Züchter, der genügend der gewünschten Tiere aus Bio-Haltung anbietet. Wenn dieser aber zu weit weg wohnt, kann den Tieren der Transport nicht zugemutet werden. Daher schreibt die EG-Öko-Verordnung vor, dass Bio-Betriebe grundsätzlich Bio-Tiere einkaufen müssen, lässt aber, außer für Rinder, Ausnahmen zu. Demnach dürfen Bio-Landwirte konventionell aufgezogene Tiere in ihren Betrieb einstellen, wenn:
  • der Betrieb von konventionell auf ökologisch umgestellt wird,
  • der Tierbestand erstmalig aufgebaut wird und nicht genügend ökologisch gehaltene Tiere zu bekommen sind,
  • wenn der Tierbestand nach Katastrophenfällen wie Krankheiten, die den Bestand zerstörten, vollständig neu aufgebaut werden muss.

Für den Einkauf konventioneller Tiere muss eine Genehmigung bei der Kontrollstelle eingeholt werden. Rinder für Bio-Höfe sind, weil es genügend Züchter gibt, ausnahmslos aus biologischer Aufzucht und Haltung zu beziehen.

Die EG-Öko-Verordnung und die Richtlinien der Anbauverbände setzen dem Zukauf konventioneller Tiere klare Grenzen: So dürfen etwa konventionell eingekaufte Legehennen höchstens 18 Wochen, Masthähnchen nur drei Tage alt sein. Schweine dürfen nur als Ferkel (maximal 25 kg) aus konventionellen Betrieben bezogen werden. Der Anbauverband Demeter schreibt zusätzlich fest, dass Ferkel direkt nach dem Ende des Säugens durch die Muttersau, also im Alter von vier bis sechs Wochen, auf den Bio-Betrieb kommen müssen. Diese Alters- und Gewichtsvorgaben hängen mit der voraussichtlichen Lebensdauer der Tiere zusammen: So werden Legehennen erst nach zwölf bis 15 Monaten geschlachtet, Mastgeflügel aber schon nach fünf bis sieben Wochen. Schweine wiegen bei ihrer Schlachtung über 100 kg (etwa 90 kg Schlachtkörpergewicht). Mit diesen Regeln soll also gewährleistet werden, dass die Tiere die meiste Zeit ihres Lebens in ökologischer Haltung waren.

Für alle aus konventionellen Betrieben bezogenen Tiere gelten die jeweiligen Regelungen zur Umstellung, bis sie mit der Bezeichnung Bio vermarktet werden dürfen.

Die Fortpflanzung der Tiere richtet sich im ökologischen Landbau nach ihrem Biorhythmus. Zwar ist künstliche Besamung zulässig, jedoch erst, wenn ein natürlicher Eisprung erfolgt ist. Andere Formen der künstlichen Fortpflanzung, etwa durch den Transfer schon befruchteter Embryonen, ist ebenso verboten wie das medikamentöse Erzwingen der Fortpflanzungsbereitschaft durch Hormone.

Bisher steht die Zucht für die ökologische Tierhaltung noch am Anfang. Und ihre Erfolge hängen letztlich auch von Verbraucherinnen und Verbrauchern ab. Denn eine robuste, gute Schweinerasse gibt vielleicht Fleisch mit höherem Fettgehalt als das gewohnte magere Filetstück. Bei der persönlichen Beurteilung der Qualität auch den Herstellungsprozess zu bedenken, sollte daher auf der Verbraucherseite das Ziel sein.