Häufige Fragen

Welche Produkte gibt es in Bio-Qualität?
Sind Bio-Lebensmittel gesünder?
Warum sind Bio-Produkte teurer?
Sind Bio-Lebensmittel anfälliger für Verderb?
Sind Bio-Lebensmittel ohne Zusatzstoffe und Aromen?
Sind Bio-Produkte aus fernen Ländern ökologisch sinnvoll?
Gibt es ökologische Lebensmittel auch aus fairem Handel?
Könnte eine reine Bio-Landwirtschaft eigentlich die Bevölkerung ernähren?
Wieso ist Bio-Landbau besser für die Umwelt?


Welche Produkte gibt in Bio-Qualität?
Obst, Gemüse, Kartoffeln, Fleisch, Wurst, Milch, Brot oder Eier hat wohl jeder schon in Bio-Qualität gesehen. Damit sind die Grenzen jedoch noch lange nicht erreicht: Auch Getreide, Reis, Kuchen, Gebäck, Nudeln, Müsli, Brotaufstriche, Trockenobst und Weine finden Sie in gut sortierten Supermärkten und im klassischen Naturkosthandel. Seit Naturland Richtlinien für ökologische Aquakultur eingeführt hat, gibt es auch Bio-Fisch und Garnelen. Daneben haben sich längst auch vorverarbeitete Produkte wie Tiefkühlgerichte, Fertigsaucen, Pudding- und Backmischungen und sogar Eis aus ökologischer Herstellung Bahn gebrochen. Ökologisch erzeugten Kaffee, Tee, Kakao, Schokolade sowie Bio-Kräuter und -Gewürze gibt es in Welt- und Bio-Läden auch aus Fairem Handel. Mehr dazu erfahren Sie in unseren Themenspecials Wein und Kaffee, Tee und Co.


Sind Bio-Lebensmittel gesünder?
Alle Lebensmittel in Deutschland müssen unabhängig von ihrer Herstellungsweise gesundheitlich sicher sein. "Gesund" kann ein einzelnes Lebensmittel darüber hinaus auch nicht sein. Jeder bestimmt mit seinen Entscheidungen darüber was er wann in welcher Menge isst und trinkt, selbst, welchen Einfluss seine Ernährung auf die Gesundheit hat. Zuviel Fett trägt in jedem Fall zur Entstehung von Übergewicht bei, egal ob es ökologisch erzeugt worden ist oder nicht. Und wer viel Obst und Gemüse isst, tut seinem Körper immer etwas Gutes. Aus den bisherigen wissenschaftlichen Studien ist nicht einwandfrei zu belegen, dass ein Bio-Apfel etwa mehr Ballaststoffe enthält als ein konventioneller. Allerdings gibt es sehr wohl Hinweise darauf, dass der Gehalt an so genannten sekundären Pflanzenstoffen in Bio-Früchten und -Gemüsen höher ist als in konventionellen. Diese Stoffe dienen Pflanzen unter anderem als Farb- oder Duftstoffe und haben vermutlich förderliche Effekte auf die menschliche Gesundheit.

Einwandfrei belegt ist zudem, dass ökologisch erzeugtes Obst und Gemüse so gut wie keine Rückstände von Pflanzenschutzmitteln und Düngemitteln enthalten. Auch die Belastung mit Nitrat ist - in aller Regel - deutlich geringer. Fleisch und Fleischprodukte aus ökologischer Erzeugung weisen keine Rückstände von Medikamenten oder Hormonen auf. Und schlussendlich finden sich in ökologischen Lebensmitteln auch keine der Lebensmittelzusatzstoffe, die gemeinhin als gesundheitlich bedenklich gelten. Nur im Wein kann Schwefel für empfindliche Personen ein Problem bleiben. Betrachtet man es aus dieser Perspektive, sind Bio-Lebensmittel tatsächlich "gesünder".

Andere Verarbeitungsweisen, alte und ungewöhnliche Pflanzenarten und Tierrassen, andere Futtermittel, weitestgehend naturbelassene Rohstoffe sowie große Sorgfalt und Umsicht in der Verarbeitung sorgen dafür, dass Bio-Lebensmittel oftmals auch einfach anders schmecken. Abwechslung und Vielfalt sind wichtige Merkmale einer ausgewogenen Ernährung, die der Gesundheit und dem Wohlbefinden zuträglich ist. Auch dafür sind Bio-Lebensmittel sicher das Kosten wert.


Warum sind Bio-Produkte teurer?
Ökologischer Landbau ist eine eigene Form der Landbewirtschaftung, in der die Kosten anders als im konventionellen Landbau und der konventionellen Lebensmittelverarbeitung verteilt sind. So werden im ökologischen Landbau immer wesentliche Teile der Fläche mit stickstoffliefernden Pflanzen bebaut, die nicht zum Verkauf gedacht sind. Die Erträge müssen also mit den Ernten der anderen Flächen erwirtschaftet werden. Ein Anbau ohne synthetische Düngemittel und Pflanzenschutzmittel ist zudem wegen des vermehrten Arbeitsaufwandes für das Ausbringen organischer Dünger und die Unkrautentfernung deutlich arbeitsintensiver, bringt aber nicht die hohen Ernten, die der konventionelle Landbau mit diesen Hilfsmitteln erzielt. Zudem werden die Tiere auf ökologischen Höfen länger gefüttert und mit anderen Mitteln vor Krankheiten geschützt. Auch hier ist der Arbeitsaufwand größer. Da nicht intensiv gemästet wird, sind gleichzeitig die schließlich verkauften Fleischmengen geringer. Auch in der Weiterverarbeitung sind die Kosten anders verteilt: Die eingekauften Rohstoffe in Bio-Qualität sind teurer. Ebenso kosten natürliches Aroma und reine Gewürze deutlich mehr als künstlich hergestellte Aromen und Gewürzzubereitungen mit Füllstoffen. Verarbeiter, die auch konventionelle Lebensmittel erzeugen bzw. konventionelle Rohstoffe verarbeiten, müssen ihre Produktionslinien sehr sorgfältig voneinander trennen. Auch dieser Aufwand kostet. Die Eigenkontrollsysteme und die Dokumentation aller betrieblichen Abläufe schlagen ebenfalls zu Buche.

Beim Preisvergleich müssen ökologisch erzeugte Lebensmittel jedoch nicht zwangsläufig die teureren sein. So ist wegen ihrer hohen Qualität ist der Vergleich mit dem jeweils günstigsten konventionellen Produkt des Sortiments nicht sinnvoll. Zudem sind die Preisunterschiede auch zwischen den Sortimenten nicht gleich: Bei Grundnahrungsmitteln wie Milch, Mehl, Nudeln oder Brot liegt der Preisunterschied nur bei etwa 15 %, während Obst, Gemüse und Fleisch in Bio-Qualität oft deutlich mehr als die konventionellen Alternativen kosten. Hier muss jeder für sich selbst entscheiden, welche Anforderungen er an Lebensmittel stellt und mit welchen Produkten sie erfüllt werden.


Sind Bio-Lebensmittel anfälliger für Verderb?
Ein einfaches Ja oder Nein ist hier nicht möglich, denn der Schutz vor Schädlingen und Verderbniserregern ist in jedem Fall eine Frage der Hygiene und Sorgfalt im Umgang: Bei grober Behandlung und zu hohen Lagertemperaturen bekommen konventionelle wie ökologische Äpfel braune Stellen und sind für Schimmelpilze empfänglicher.

Der Verzicht auf eine Reihe von Konservierungsmitteln bei Bio-Lebensmittel stellt zweifellos höhere Anforderungen an die Hygiene in der Produktionskette. Und Zitrusfrüchte, die nicht mit im Bio-Landbau verbotenen Schalenbehandlungsmitteln geschützt werden, sind für Schimmel ebenfalls leichtere Beute. Andererseits ist die Lagerstabilität von Äpfeln, Möhren und Co. aus ökologischer Erzeugung vielfach größer, da die Sorten robuster sind. Gute Einkaufsplanung, Kühlschrankhygiene und sorgsamer Umgang mit den Lebensmitteln sind in jedem Fall geboten.


Sind Bio-Lebensmittel ohne Zusatzstoffe und Aromen?
Gemäß der EG-Öko-Verordnung sind nur 36 der europaweit über 300 zugelassenen Zusatzstoffe für Bio-Lebensmitteln erlaubt. Geschmacksverstärker und Farbstoffe sind vollständig verboten (zum Färben der Schalen von Eiern sind allerdings natürliche Farbstoffe zulässig). Noch strenger sind die Richtlinien der ökologischen Anbauverbände. Eine Liste der Zusatzstoffe, die auch in Bio-Lebensmitteln verwendet werden dürfen, stellen wir Ihnen hier als pdf-Datei zum Download zur Verfügung.

Auch naturidentische Aromen, die zwar aus natürlichen Stoffen aber keineswegs den namengebenden Früchten hergestellt werden, sind für Bio-Produkte verboten. Aromen, die auf unterschiedlichem Wege aus der namengebenden Frucht gewonnen werden sind auch im Bio-Landbau erlaubt. In welchen Fällen sie eingesetzt werden dürfen, ist in den Verarbeitungsrichtlinien der Anbauverbände detailliert geregelt. In der Datenbank http://www.zusatzstoffe-online.de/ können Sie sich über alle derzeit zugelassenen Lebensmittelzusatzstoffe informieren. Sie haben hier die Möglichkeit, einen Stoff nach seiner Funktion, seinem Namen oder der E-Nummer zu suchen und erhalten ausführliche Informationen über Herstellung, Anwendungsgebiete und gesundheitliche Bewertung.


Sind Bio-Produkte aus fernen Ländern ökologisch sinnvoll?
Selbstverständlich sind lange Transporte mit Schiffen und Flugzeugen eine ökologische Belastung. Es ist daher empfehlenswert, Lebensmittel mit kurzen Transportwegen zu kaufen, wenn sie regulär wachsen. Lebensmittel aus der Nähe des Wohnortes, der Region, die in ihrer spezifischen Saison geerntet wurden, sind ökologisch oft die bessere Alternative. Auf diese Weise bekommen die hiesigen Landwirte Unterstützung und Verbraucherinnen und Verbraucher besonders frische Produkte.

Allerdings können viele liebgewonnene Produkte wie etwa Bananen, Zitrusfrüchte, Kaffee, Tee oder Kakao in Europa nicht oder nicht in ausreichender Menge angebaut werden. Auch bei importierten Waren auf eine ökologische Erzeugung zu achten, ist daher durchaus sinnvoll: Die konventionelle Erzeugung mit Monokulturen und unter großem Pestizid- und Düngemitteleinsatz richtet in den Herkunftsländern große ökologische Schäden an. Durch ökologischen Anbau werden Umweltschäden, Grundwasserverschmutzungen und gesundheitliche Gefahren für die Bauern verringert - auch wo der Pfeffer wächst und die Zitronen blühen.


Gibt es ökologische Lebensmittel auch aus fairem Handel?
Ja, denn ökologische und soziale Fairness sind zwei Seiten derselben Medaille. Die Produktion von Lebensmittel darf in keinem Teil der Welt zu Schäden für Natur und Menschen führen und sollte nie mit Ausbeutung einhergehen.

Kaffee, Tee, Kakao, Bananen, Zucker, Zitrusfrüchte, Honig und Gewürze kommen aus Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas, in denen der Faire Handel den Bauern zu einer würdigen Existenz verhilft. Die Organisationen des Fairen Handels honorieren die Umstellung auf Bio-Landbau mit Preisaufschlägen für die Produzenten. Schon 40 % der Lebensmittel mit dem TransFair-Siegel sind heute ökologisch hergestellt. Vor allem in Weltläden, aber in immer mehr Supermärkten finden Sie öko-faire Produkte. Zusätzlich zum TransFair-Siegel für den Faren Handel finden Sie auch auf diesen Produkten die Bezeichnung Bio-/Öko-, das Bio-Siegel oder das Zeichen eines ökologischen Anbauverbandes und der EG-Kontrollstellen-Nummer.


Könnte eine reine Bio-Landwirtschaft eigentlich die Bevölkerung ernähren?
Diese Frage hat die Wissenschaft noch nicht geklärt. Fest steht aber, dass die ökologische Landwirtschaft weltweit noch deutlich steigerungsfähig ist. In Deutschland werden gegenwärtig etwa 17 Mio. Hektar Land landwirtschaftlich genutzt. Die ökologische Tierhaltung braucht größere Flächen, so dass der Flächenbedarf bei ökologischer Landwirtschaft insgesamt etwas größer wäre. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Tierhaltung im Verhältnis zur letztlich gewonnenen Nahrungsenergie deutlich mehr Fläche als die Produktion von Pflanzen braucht: Tiere setzen zwar pflanzliche in tierische Energie um, brauchen dafür aber eine große Menge Futter. Um den Weizen anzubauen, der 1.000 kcal in unserer Ernährung liefern würde, sind 0,6 Quadratmeter Fläche nötig. Für 1.000 kcal aus Schweinefleisch braucht es dagegen 2,8 Quadratmeter. In der ökologischen Landwirtschaft betrügen die Flächen entsprechend 1,0 bzw. 4,5 Quadratmeter. Bei einem geringeren Fleischverbrauch wäre es also durchaus möglich, die ökologische Landwirtschaft deutlich auszuweiten, ohne dass irgendwelche Lebensmittelengpässe entstünden. Knackpunkt ist allerdings nach wie vor die Nachfrage: Bio-Landbau kann nur dann ausgeweitet werden, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher bereit sind, diese Produkte zu kaufen.


Wieso ist Bio-Landbau besser für die Umwelt?
Im ökologischen Landbau wird auf leicht lösliche Mineralstoff-Dünger weitestgehend verzichtet. Zudem ist die Zahl der Tiere, die auf einer bestimmten Fläche gehalten werden dürfen, beschränkt. Beides kommt dem Boden zugute, da auf diese Weise deutlich weniger Stickstoff eingetragen wird. In der Folge werden weniger Nitrat und Mineralstoffe ins Grundwasser und in Seen, Flüsse, Bäche ausgespült. Weil chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel verboten sind, werden Tiere und Pflanzen, die in der Landwirtschaft als "Unkräuter" und "Schädlinge" gelten, nicht vernichtet. So bleibt vielen Nützlingen die Nahrung und der Lebensraum erhalten. Bleibt auf diese Weise die Artenvielfalt erhalten, können sich natürliche Gleichgewichte aus Nützlingen und Schädlingen einstellen. Zwar verbrauchen Bio-Landwirte durchschnittlich mehr Dieselkraftstoff als konventionelle, weil Unkraut mechanisch, etwa mit Traktor-gezogenen Eggen, erfolgt und auch die organischen Düngemittel häufiger ausgebracht werden müssen. Insgesamt verbrauchen Bio-Betriebe aber weniger Energie, weil sie in allen Abläufen auf geringen Ressourcenverbrauch achten. Ein niedrigerer Energieverbrauch bedeutet auch geringeren Verbrauch an Brennstoffen zur Stromerzeugung und damit geringeren Ausstoß des Klimagases Kohlendioxid.