Nicht ohne meine Wasserflasche
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Foto: © u.w. / PIXELIO
Mit dem Wellness-Trend wurde dem Wassertrinken eine immer größere Bedeutung für Gesundheit und Schönheit zugeschrieben und manchmal angedichtet. Deutlich mehr zu trinken als man braucht, gilt als Mittel gegen Falten, Schnupfen, Kopfschmerzen, soll schlank machen, entgiften und anderes. Viele gesundheitsbewusste Menschen bemühen sich seitdem, ihr Durstgefühl mit eiserner Trinkdisziplin zu verhüten. Für sie heißt es auch wenn sie nur kurz unterwegs sind: Nicht ohne meine Wasserflasche. Jederzeit ein Schlückchen nehmen zu können, kann zum Wohlbefinden beitragen, zumal man so die Wahrnehmung seines Durstgefühls schulen kann. Aber ist es faktisch sinnvoll, mehr Wasser zu trinken als der Körper benötigt?
Lange gab es dazu keine wissenschaftlichen Studien. Einige Forscher aus den USA gingen dem Mythos Wassertrinken deshalb auf den Grund und kamen zum überraschenden Ergebnis: Mehr bringt kaum mehr. Ständig über den Durst zu trinken ergab fast keine nachweisbaren Pluspunkte für die Gesundheit. Die Wissenschaftler konnten zum Beispiel nicht belegen, dass mehr trinken die Haut schöner macht, eine größere Menge Giftstoffe aus dem Körper spült oder gegen Migräne hilft. Beim Abnehmen hingegen kann strategischer Wasserverzehr unterstützend wirken: Ein Glas Wasser morgens auf nüchternen Magen kurbelt den Stoffwechsel an und es wird etwas mehr Energie verbrannt. Gesunde Menschen, die es lästig finden, ständig eine Wasserration parat zu haben, können die Flasche also wieder aus der Tasche nehmen, solange sie insgesamt ausreichend trinken. Während sich Wasserfans ihre Trinkfreude durch die Studie nicht trüben lassen brauchen: Zugleich konnten die Wissenschaftler nämlich nicht ausschließen, dass die Extraportionen Wasser auf irgendeine Weise doch der Gesundheit nutzen.
Aber nicht jeder sollte mit dem Trinken warten, bis ihm danach ist: Bei starker körperlicher oder geistiger Anstrengung sowie Hitze kann das Durstempfinden verspätet anschlagen, denn verglichen mit Hunger regt es sich träger. Öfter trinken muss auch, wer in trockener Büroluft arbeitet, scharf isst oder eine Reduktionsdiät macht, bei der die in der Nahrung enthaltende Feuchtigkeit durch Trinken ausgeglichen werden muss. Mehr trinken als üblich sollten auch Menschen, die spezielle Medikamente nehmen oder deren Durstempfinden gestört ist. Besonders häufig trinken Ältere zu wenig, unter anderem weil der Körper mit den Jahren weniger zuverlässig zum Trinken auffordert.
Selbst Wassertrinken kann man übertreiben
Dass jemand zu viel Wasser trinkt, kommt sehr selten vor. Aber es gibt so genannte Wasservergiftungen, die ab und zu beispielsweise bei Ausdauersportlern auftreten. Betroffene machen den Fehler, auf einen Schlag sehr viel Wasser in sich hineinzuschütten während sie stark schwitzen. Das Zusammenwirken von Wassertrinken und Salzverlust kann die Natriumkonzentration im Blut so absacken lassen, dass die Herzleistung abnimmt und Muskelkrämpfe auftreten können. Die möglichen Folgen einer Wasservergiftung reichen bis zum lebensbedrohlichen Koma. Erfahrene Sportler schützen sich, indem sie ihrem Wasser ungefähr ein Drittel Apfelsaft untermischen und während sie aktiv sind in regelmäßigen Abständen kleinere Mengen trinken.
Unter normalen Bedingungen gerät der Elektrolythaushalt eines gesunden Menschen durch das Wassertrinken aber nicht gesundheitsschädigend aus dem Gleichgewicht. Denn der Körper schützt sich: Im Magen wird Wasser wenn nötig soweit mit Salz und Mineralien angereicht, dass es im Körper keinen Schaden anrichtet. Deswegen stimmt es nicht, dass man nach einem Schluck destillierten Wassers tot umfällt, weil sich die Körperzellen mit dem salzfreien Destillat vollsaugen und platzen. Einem gesunden Menschen kann destilliertes Wasser in Maßen wenig anhaben, vom dauerhaften Konsum wird dennoch abgeraten.








