Wasser wird unterbewertet
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Eigentlich müsste mit Wasser so umgegangen werden wie mit dem Guthaben auf einem Konto: Weil Schulden hohe Zinsen kosten, achten die meisten darauf, nicht mehr auszugeben als sie eingenommen haben. Weniger Maß halten würden viele hingegen, wenn ein anderer Schulden, Zinsen und Zinseszinsen bezahlen müsste. Und so ähnlich verhält es sich beim „Ausgeben“ von Süßwasser: Die Kosten der Überstrapazierung der Reserven tragen andere – künftige Generationen oder die ärmere lokale Bevölkerung, eine nachhaltige Nutzung zahlt sich nicht aus.
Der echte und der monetäre Wert von Wasser stehen bislang häufig im falschen Verhältnis. In vielen Ländern kann Wasser für sehr wenig Geld oder sogar kostenlos benutzt werden. Oft halten Regierungen den Wasserpreis mit Subventionen extra niedrig. In solchen Ländern haben Landwirte keinen Anreiz, in ein sparsames Bewässerungssystem zu investieren. Und weil Umweltauflagen für die Industrie entweder fehlen oder Verstöße nur mild bestraft werden, kann das Einleiten von Schadstoffen in Gewässer die billigste Art der Entsorgung bleiben. Niedrige Preise wirken sich auch auf die Investitionen der Wasserversorger aus: Weil sie zu wenig kassieren fehlt ihnen das Geld für Wartungen, Instandsetzungen oder den Ausbau des Netzes. Dadurch bleibt die Wasserversorgung häufig ausgerechnet für jene schlecht, die so arm sind, dass ihre Unterkunft keinen Wasseranschluss hat.
Niedrige Wasserpreise kommen so eher den Wohlhabenden zugute: Denn wer keinen eigenen Zugang zu Frischwasser hat, muss sich sein Wasser bei privaten Händlern kaufen. Oft hat das Nass dann schon mehrfach den Besitzer gewechselt und jeder Zwischenhändler nimmt einen Preisaufschlag. Ausgerechnet für Arme ist Wasser deshalb oft sehr teuer, auch wenn es von schlechter Qualität ist. Slumbewohner in Jakarta, Manila oder Nairobi müssen für ihr Wasser bis zu zehnmal mehr als die Bewohner wohlhabenderer Gegenden der gleichen Städte zahlen und häufig sogar mehr, als Einwohner Londons oder New Yorks
Foto: © Buntschatten / PIXELIO








