Landwirtschaft

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Foto: Lehmann natur

Vorausschauend planen, die Stärken der Natur gezielt nutzen, statt sie zu bevormunden… All das klingt einleuchtend, doch wie sieht Permakultur in der Landwirtschaft tatsächlich aus? Am Anfang stehen sorgsame Bestandsaufnahme, genaues Beobachten und die Bereitschaft, jeden Tag dazuzulernen. Die vollständige Umstellung eines landwirtschaftlichen Betriebes nimmt Jahre in Anspruch.

Permakultur bietet kein fertiges Konzept. Jeder, der sich vorgenommen hat, seine Flächen ganzheitlich nachhaltig zu bewirtschaften, muss von anderen und vor allem seinem Land selbst lernen: Es gilt, Klima, Bodenbeschaffenheit, vorhandene Vegetation und Tierwelt genau zu beobachten und in die Planung einzubeziehen. Ziel ist es, sie in einem Ökosystem zusammenzuführen, in dem sie im Gleichgewicht mit den anderen Lebewesen ihre jeweilige Funktion erfüllen und Erträge bringen können. Im Kreislauf von Beobachten, Erkennen, Ausprobieren wird so die Fläche langsam und stetig (um-) gestaltet.

Am Anfang steht dabei auch die Überlegung, was eigentlich angebaut werden soll und wo das am besten gelingen kann. Auch unberührte, wilde Flächen, wie alte Baumbestände oder Waldstücke behalten dabei ihren Platz. Annähernd kreisförmig angeordnete Zonen, die auf unterschiedliche Weise bewirtschaftet werden, haben sich als Planungswerkzeug für die Landnutzung in Permakultur bewährt. Sie gruppieren sich um einen Mittelpunkt – meist das Haus – und dienen dazu, die örtlichen Gegebenheiten, Zeit und (Arbeits-) Energie möglichst effizient zu nutzen. Das kann zum Beispiel so aussehen:

Zone 0: Der Kern bzw. Mittelpunkt, in dem die Menschen leben.

Zone 1: Sie schließt unmittelbar an den Wohnbereich an. Hier sind Gemüsesorten gut aufgehoben, die intensiv gepflegt werden müssen. Auch Pflanzen, die wie Küchenkräuter nahezu täglich benötigt werden, wachsen in Hausnähe.

Zone 2: Sie eignet sich für einen Gemüsegarten, der nicht so intensiv gepflegt werden muss, z. B. mit Kohl- und Wurzelgemüse. Ein Gewächshaus passt ebenfalls gut in diese Zone.

Zone 3: Hier werden Gemüsesorten, Kartoffeln und Getreide feldähnlich angebaut, auch einige Obstbäume und Tiere finden hier einen Platz. Sie ist die Zone für landwirtschaftliche Bewirtschaftung, die keine regelmäßige Pflege braucht.

Zone 4: Wiesen und Weiden, Obst- und Nussbäume - in dieser Zone wachsen Pflanzen und befinden sich Bereiche, die nur sehr wenig gepflegt werden müssen.

Zone 5: Als Wildnis- oder Urwaldzone bietet sie der Natur Ruhe vor menschlichen Eingriffen und den Menschen einen Erholungsraum. Sie sollte ca. 20 Prozent der gesamten Fläche ausmachen.

Ebenfalls berücksichtigt wird, wie viele Arbeitskräfte und welche Maschinen vorhanden sind. Wenn weniger Maschinen eingesetzt werden, können Arbeitsplätze für Menschen und Tiere geschaffen werden. Kurze Transportwege sparen Treibstoff und schonen die Umwelt, vor Ort produzierte Futtermittel und andere Produkte machen unabhängig und sorgen für geschlossene Kreisläufe.

Die dauerhafte Landwirtschaft setzt auf Mischkulturen. Neben den essbaren Pflanzen, die unmittelbar für den Markt Erträge bringen sollen, werden auch solche kultiviert, die ihre Funktion „nur“ für das landwirtschaftliche Ökosystem haben. Im Idealfall stammen die für den Anbau gewählten Sorten aus der Region, sind widerstandsfähig, können leicht selbst vermehrt werden und passen zueinander. Mehrjährigen Pflanzen, die mehrere Funktionen erfüllen, werden dabei bevorzugt. Doch Innerhalb vielfältiger Mischkulturen entsteht so ein eigenes Mikroklima, das Temperaturveränderungen und Feuchtigkeitsschwankungen ausgleicht. Die Pflanzen unterstützen sich gegenseitig in der Abwehr von Schädlingen und Krankheitserregern und verhindern unkontrolliertes Wachstum. Pflanzen mit flachen und tieferen Wurzeln geben einander Halt und sorgen für gut belüfteten Boden. Sie haben zudem jeweils ihren speziellen Nährstoffbedarf und nutzen so das vorhandene Nährstoffangebot des Bodens optimal, ohne ihn auszulaugen. Auch Tiere haben in diesem ganzheitlichen System verschiedenen Nutzen: Sie liefern Lebensmittel und Rohstoffe, vertreiben Schädlinge, halten Beikräuter und Bodendecker im Zaum und tragen nicht zuletzt dazu bei, die Stoffkreisläufe zu schließen: Ihr Mist dient als natürlicher Dünger, stärkt den Boden und kommt so dem (Futter-) Pflanzenwachstum zugute. Die folgenden Nachbarschaften haben sich in der ganzheitlichen Landwirtschaft bewährt:

  • Obst- und Nussbäume bringen nicht nur Nahrung für den Menschen, sondern auch für Tiere. Sie bieten Windschutz und sind eine gute Quelle für nutzbares Holz und Mulch. Ihr verrottendes Laub verbessert die Bodenqualität.
  • Buschartig wachsende Beerenarten finden unter hochgewachsenen Bäumen Schutz durch die Baumkronen, Dünger durch das herabfallende Laub und einen Wasservorrat durch die tiefergehenden Wurzeln der Bäume.
  • Hecken, Sträucher, Wiesen, Laub- und Holzhaufen bieten nicht nur Windschutz, Nahrung für Mensch und Tier oder Quellen für Humus, sie sind auch ein idealer Schutz und Unterschlupf für Nützlinge und Bienen.
  • Hecken, Büsche und Bäume begünstigen in ihrer Umgebung ein reges Bodenleben und aktive Mikroorganismen. Zugleich sind sie Windschutz, Schattenspender, Halt für Kletterpflanzen und geben zahlreichen Nützlingen einen Lebensraum.
  • Hühner und Schafe oder Schafe und Rinder können gut zusammen gehalten werden. Sie bearbeiten den Boden auf ihre eigene Weise.