Lebensstil & ökologischer Fußabdruck

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Foto: iStock Silvia Bianchini

Die Idee der Permakultur ist ein Ansatz, um den so genannten Ökologischen Fußabdruck des Menschen zu verringern. Denn der vorherrschende Lebensstil der westlichen Industrienationen ist geprägt von stetig steigenden Konsum und rasantem technischen Fortschritt, der nicht selten die Lebensgrundlagen von Menschen und Tieren bedroht. Doch wer in langfristigen Kreisläufen denkt, wird schnell erkennen, welche kleinen Veränderungen große Wirkung erzielen können.

Der so genannte Ökologische Fußabdruck ist ein Modell, mit dem sich der persönliche Lebensstil ins Verhältnis zu den auf der Erde verfügbaren Ressourcen setzen lässt. Er gibt an, wie viel Hektar (ha; 1 ha = 10.000 Quadratmeter) nutzbarer Fläche nötig sind, um die Rohstoffe für die jeweiligen Lebensweise zur Verfügung zu stellen und die anfallenden Abfälle und CO2-Emissionen aufzunehmen. Außerdem setzt er den persönlichen Flächenverbrauch zu der vorhandenen Gesamtfläche und zur Anzahl der Menschen in Beziehung, gibt also an, wie viele Erden nötig wären, wenn alle Menschen den jeweils ermittelten Lebensstil hätten. In die Berechnungen des ökologischen Fußabdrucks werden verschiedene Lebens- und Konsumbereiche einbezogen, z. B. Essen und Trinken, Wohnen, Heizen und Stromverbrauch, Mobilität und Reisen, Freizeit- und Konsumverhalten. Der ökologische Fußabdruck ist somit ein Marker dafür, wie nachhaltig eine Person, eine Stadt, eine Kommune oder ein Unternehmen in Bezug auf die ökologische und soziale Kapazität der Erde wirtschaften. Um allen Menschen die gleichen Möglichkeiten zu geben, ihre Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen und dabei die Möglichkeiten der Erde nicht zu überlasten, sollte der ökologische Fußabdruck so gering wie möglich bleiben. Doch die Realität sieht anders aus:

Die Erde bietet etwa 12 Milliarden Hektar an produktiver Fläche. Würden sie gerecht verteilt, hätte also jeder Mensch etwa 1,7 ha zur Verfügung. Doch der Bedarf an Energie, Wasser, Boden, Rohstoffen und fossilen Brennstoffen, der aus weltweiten Quellen gedeckt wird, wächst enorm. Die Produktion von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern, die Verkehrssysteme, die Wärme- und Stromversorgung verbrauchen mehr Ressourcen als nachwachsen. Es entstehen täglich enorme Mengen Abfall, die mit Energieaufwand verarbeitet und oft nicht sachgerecht entsorgt werden. Der weltweite ökologische Fußabdruck liegt daher gegenwärtig bei 2,6 Hektar pro Einwohner – die Weltbevölkerung verbraucht also im Grunde 1,5 Erden. Der ökologische Fußabdruck des Durchschnittdeutschen liegt mit 4,5 ha pro Kopf noch weit höher. Würden alle Menschen so leben, bräuchte man 2,6 Erden. Dabei ist der ökologische Fußabdruck ein Modell. Die Wissenschaftler Mathis Wackernagel und William Rees von der University of British Columbia (Kanada) entwickelten es in den 1990er Jahren, um nachhaltige Entwicklungen in einem Wert ausdrücken zu können. Wie bei anderen Modellen lassen sich auch hier nicht alle Faktoren gleichermaßen berücksichtigen. Der anschauliche Modell-Wert macht dennoch deutlich, dass die Menschheit dringend umdenken muss.

Eines der Konzepte, die aus diesem Umdenken bereits entstanden, ist die Permakultur. Sie setzt auf ökologische, schonende Produktion, reduziert den Rohstoffverbrauch, setzt dem Konsum Grenzen und setzt sich für gerechte Verteilung ein. Permakultur zeigt Wege und Möglichkeiten auf, eine tragfähige Kultur zu entwickeln, in der Natur und Mensch nicht ausgebeutet werden. Sie setzt dabei auf Menschen, die sich für ihre eigenen Handlungen ebenso verantwortlich fühlen wie für das Leben der kommenden Generationen und die Gemeinschaft, in der sie leben. Wenngleich die Konzepte der Permakultur bisher vor allem auf die landwirtschaftliche Erzeugung von Lebensmitteln, die Energieversorgung, den Aufbau von Gemeinschaften und die Gestaltung von Landschaften angewendet werden, stehen ihre Werkzeuge für alle Lebensbereiche zur Verfügung. Jeder Einzelne kann in ihren Prinzipien Anregungen und Methoden finden, um den eigenen ökologischen Fußabdruck zu verkleinern. Klimafreundlicher Lebensstil und sparsamer, bewusster Konsum sind die Schlagworte, hinter denen unter anderem die folgenden Instrumente der Permakultur stehen:

  • Naturnahe und ökologische Landwirtschaft
  • Starke, heimische und an die Bedingungen angepasste Pflanzen bevorzugen
  • Wildpflanzen und Wildtiere einbeziehen und nutzen
  • Zu Region passende Nutztiere artgerecht und ihren Bedürfnissen entsprechend halten
  • Heizenergie, Strom und Wasser effektiv nutzen und sparsam verwenden
  • Regenerative Energien nutzen
  • Ökologisch und rohstoffsparend bauen
  • Umwelt- und klimaschonend mobil sein und reisen
  • Regionale und biologisch erzeugte Produkte bevorzugen
  • Lokale Märkte stärken
  • Produkte weiter verwenden, reparieren und recyceln anstatt sie wegzuwerfen
  • Die Gemeinschaft stärken