Urban gärtnern

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Foto: iStock Garten

In Städten wird Permakultur in vielen privaten Schrebergärten ebenso wie in Gemeinschafts-, interkulturellen oder Miet-Gemüse-Gärten gelebt. Dort geht es zusätzlich um das Miteinander und das Zusammenarbeiten mit anderen Gartenfreunden. Die selbst erwirtschafteten Erträge tragen dazu bei, die Lebensgrundlage zu sichern und schaffen Unabhängigkeit. Daher passen sowohl die gemeinschaftliche Landwirtschaft als auch die verschiedenen Formen der Selbstversorgung zum Konzept der Permakultur. Teil dieses „Urban Gardening“ (= städtisches Gärtnern) sind auch die zahllosen privaten Hausgärten, Terrassen und Balkone, auf denen nicht selten auch Essbares angebaut wird.

Zwar erfordert es einiges an Know-How, um die Prinzipien der Permakultur auf diesen besonderen Flächen vollständig umzusetzen. Doch mit der Bereitschaft, genau zu beobachten, das Gegebene zu nutzen und stetig dazuzulernen, wird sich das bald einstellen. Wie im Großen steht auch auf kleinem Raum die Bestandsaufnahme am Anfang: Wieviel Raum steht zur Verfügung, welches Kleinklima herrscht wo, welche Pflanzen und Tiere sind bereits da, wie kann die Bewässerung von statten gehen und mit welchen Bodenbeschaffenheiten und Bodentypen muss gearbeitet werden? Im zweiten Schritt werden Wünsche formuliert: Welche Pflanzen sollen wachsen, welche Früchte will man ernten, ist Platz für einen Teich und wohin kommt die Wildnis? Bäume, Sträucher, Blumen, Gemüse- und Kräuterbeete so in das vorhandene Ökosystem zu integrieren, dass sie ein Teil davon werden und sich selbst erhalten, braucht gute Planung, spart aber später eine Menge Arbeit.

Mehrjährige, sich selbst vermehrende und widerstandsfähige Sorten haben sich dabei bewährt. Kräuterspiralen, kleine Feuchtgebiete, Insektenhotels und Rückzugsräume für Nützlinge lassen sich auch auf dem Balkon anlegen. Hochbeete, Teiche, Hecken und Kompost als Abfallverwertung und Humusquelle sind eher was für größere Flächen. Womöglich kann der (Stadt-) Gärtner hier aber auf bereits vorhandene Strukturen zurückgreifen, denn diese Gartenelemente sind allen bekannt, die schon bisher auf traditionelles Gartenwissen bauten. Tipps und Tricks haben dazu auch all jene parat, die sich mit dem Anlegen von Bio- oder historischen Bauerngärten auskennen.

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Foto: iStock Pieter De Pauw

Um auf kleinem Raum nachhaltig zu gärtnern, haben sich – neben vielen anderen - folgenden Tipps bewährt:

  • Geben Sie stets auch der Wildnis Raum. Unberührte Töpfe und Ecken mit „wuchernden“ Pflanzen sind Windschutz, Schattenspender und Rückzugsraum für Nützlinge.
  • Auch in Töpfen können Pflanzen in mehreren Etagen wachsen: Bodendecker halten den Untergrund feucht und geschützt, die Mitte wird vielleicht von einer Tomaten- oder Blühpflanze belebt, am Bäumchen oder Strauch wachsen Naschfrüchte.
  • Dunkle Steine speichern Wärme. Die Regenrinne ist eine erstklassige Kletterhilfe.
  • Ein Insektenhotel findet auch an der Hauswand Platz, vielleicht erlaubt der Vermieter einen Nistkasten?
  • Statt eines Teichs bringt eine flache Wasserschale Feuchtigkeit ins Mini-Biotop.
  • Töpfe und Kästen gut vorbereiten: Sie brauchen Luft von unten und die Möglichkeit, Wasser auszuleiten. Pflanzen nicht zu dicht pflanzen, damit die Wurzeln Platz haben.
  • Was sich selbst ansiedelt, sollte bleiben dürfen. Neben dem Überraschungs- bringt das stets auch einen Lerneffekt

Wer eine größere Fläche zur Verfügung hat, kann einen Waldgarten anlegen. Der Engländer Robert Hart formulierte diese Idee einige Jahre bevor der Begriff der Permakultur entstand. Doch das Konzept für nachhaltigen Gartenbau nach dem Vorbild des natürlichen Waldes lässt sich dem größeren Begriff mühelos zuordnen. Vom Wald lernen heißt, in Stockwerken denken: Wie in einem Wald werden im Waldgarten die passenden Pflanzen in verschiedenen Höhen angeordnet. zuordnen. Als Bäume werden Obst- und Nussbäume eingesetzt, darunter werden Sträucher gepflanzt, die Früchte tragen, z. B. Brombeeren oder Himbeeren. Dann folgen mehrjährige Gemüsesorten, Kräuter und Bodendecker. Rank- und Kletterpflanzen wie Wein oder Bohnen können an den Bäumen empor wachsen. Das Ergebnis ist ein artenreiches, stabiles und flexibles Ökosystem, mit dem auf kleiner Fläche eine Vielfalt von Lebensmitteln, z. B. für die Selbstversorgung produzieren lassen.