Was ist virtuelles Wasser?

Als virtuelles Wasser wird das gesamte Süßwasser bezeichnet, das bei der Herstellung einer Ware eingesetzt wurde. So sind etwa 140 Liter Wasser nötig, um eine Tasse Kaffee zu erzeugen – vor allem beim Anbau der dafür nötigen Menge Kaffeebohnen.

Unter allen Lebensmitteln nimmt Fleisch beim Wasserverbrauch einen Spitzenplatz ein. Dabei ist die Rindfleischproduktion besonders strapazierend für die Wasserressourcen: Für ein Kilogramm Steak sind durchschnittlich 14.000 Liter Wasser nötig, mit dem das Rind getränkt wurde und mit dem sein Futter herangewachsen ist. Die Steaknation USA verteidigt beim Fleischverbrauch den Spitzenplatz mit in 2008 fast 99 Kilo pro Kopf. Würde jeder Mensch so viel Fleisch essen wie ein typischer Nordamerikaner, würde die weltweite Nahrungsmittelproduktion etwa 75 Prozent mehr Wasser brauchen.

Da das Süßwasser auf der Erde sehr unterschiedlich verteilt ist, muss der indirekte Wasserverbrauch eines Produkts im Zusammenhang mit dem so genannten Wasserstress einer Region gesehen werden. Zum Beispiel ist der Wasserbedarf einer Tomate, die im niederschlagsreichen Deutschland wächst, anders zu bewerten, als einer Tomate, die im regenarmen Südspanien gedeiht. Deutschland ist trotz seines relativen Wasserreichtums ein Netto-Wasserimporteur, weil es mehr Wasser ein- als ausführt.

Wasser wird nicht nur für die Herstellung von Lebensmitteln benutzt, sein Verbrauch zieht sich durch die gesamte Konsumpalette. Zum Beispiel entsteht ein Baumwoll-T-Shirt unter Einsatz von durchschnittlich 2.000 Litern Wasser. Je nachdem, in welcher Region die Baumwolle gewachsen ist, können es aber leicht einige tausend Liter mehr sein. Beim Wasserverbrauch ist auch Papier kein unbeschriebenes Blatt: In jedem weißen DIN-A4-Bogen sind zehn Liter Wasser enthalten. Umgehen lässt sich der indirekte Wasserverbrauch von keinem Verbraucher. Sehr wohl kann man ihn aber mit einem ressourcenfreundlichen Einkauf senken.

Unesco Institute for Water Education: www.unesco-ihe.org

Weitere Informationen zu den Umweltfolgen der Fleischproduktion finden Sie im Themen-Special "Fleisch".