Kunsthandwerk aus Afrika

Afrikanische Kunst hat eine sehr lange Tradition. Materialien, Farben, Verarbeitung und Motive wie wilde Tiere, rituelle Masken und sakrale Voodoo-Gegenstände sind hier typisch und beeindrucken durch Phantasie, Farbenpracht und einen eigenwilligen Stil. Sie sind Ausdruck der kulturellen Werte, Tradition und Überlieferungen. Die große Nachfrage nach Kunst aus Afrika hat auch hier zur Entstehung der so genannten Airport Art geführt, die sich eher an dem Wunsch nach standardisierten billigen Kunstartikeln orientiert. Das echte traditionelle Kunsthandwerk in einigen afrikanischen Ländern wird durch faire Organisationen vor Ort gefördert, die seit vielen Jahren mit gepa, El Puente, dritte-welt partner und CONTIGO GmbH zusammenarbeiten. Einige Beispiele stellen wir Ihnen vor.

Kenia
Ghana


Kenia

Die Herstellung von Kunsthandwerk hat in Kenia eine lange Tradition. Landestypisch sind Holzschnitzereien und dekorative Specksteinarbeiten mit stilisierten Menschengestalten oder Tierabbildungen. Außerdem stellen kenianische Handwerker auch Sisaltaschen sowie traditionellen und modernen Schmuck her. Faire Preise für diese Produkte sichern ihren Lebensunterhalt und den Fortbestand des traditionellen Handwerks. Interessierte finden die fair gehandelten Kunstgegenstände aus Kenia im Sortiment von El Puente, gepa, dritte-welt partner und CONTIGO GmbH.

Die Kisii Soapstone Cooperative ist in der Region Tabaka nord-östlich des Victoriasees beheimatet, wo besonders große Specksteinvorkommen zu finden sind. Die Kooperative wurde 1980 gegründet und bietet rund 400 Steinschnitzern einen sicheren Arbeitsplatz sowie faire Arbeitsbedingungen und Bezahlung. Die Produzenten sind meist Kleinbauern, die durch die Specksteinverarbeitung einen sicheren Zusatzverdienst haben, um beispielsweise die Schulausbildung für ihre Kinder zu bezahlen. In der Kisii Soapstone Cooperative sind überwiegend männliche Steinschnitzer zusammengeschlossen. Die Kooperative organisiert für ihre Mitglieder die Vermarktung und unterstützt sie bei der Produktentwicklung. Die Produkte der Kisii Soapstone Cooperative werden u.a. durch gepa vertrieben.

Neben der traditionellen Specksteinkooperative Kisii gibt es in der Region Tabaka ein weiteres faires Projekt, die SMOLART Selbsthilfegruppe Kisii. In dem kleinen Dorf Tabaka entstand Anfang der 90er Jahre aus einem Jugendgemeinschaftsprojekt die Kooperative SMOLART(small medium or large art). Im Unterschied zu der Specksteinkooperative Kisii sind hier besonders viele Frauen beschäftigt, ihr Anteil liegt über 60 Prozent. Der Steinabbau und die grobe Verarbeitung der Specksteine wird von den Männer bewerkstelligt, die Frauen sind mit dem Feinschliff und dem Einfärben der Produkte betraut. Die Mitglieder stellen neben Gebrauchsgegenständen auch Schachspiele und traditionelle Kunstgegenstände wie Figuren afrikanischer Tiere oder abstrakte Skulpturen her. Die Künstlerinnen und Künstler arbeiten eigenverantwortlich und können unabhängig von Zwischenhändlern ihre Produkte vermarkten. Bei der Verarbeitung des Specksteins wird besonders auf den notwendigen Arbeitsschutz geachtet. So werden die Steine ausschließlich nass geschliffen und verarbeitet, um die Handwerker vor dem Staub zu schützen. Die Kooperative verfügt über einen eigenen Kreditfond und führt einen Teil der Gewinne sozialen Gemeinschaftsprojekten zu wie z.B. in die Aidsaufklärung, Gesundheitsvorsorge oder Weiterbildung. Die Kunstartikel der SMOLART Selbsthilfegruppe Kisii werden in Deutschland durch ihre Handelspartner El Puente und dritte-welt partner vertrieben.

1969 wurde in Kenia das Projekt BOMBOLULU als Rehabilitationsmaßnahme für Körperbehinderte gegründet. Rund 250 Behinderte bekommen hier die Möglichkeit, eine kunsthandwerkliche Ausbildung zu machen und frei ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. In den Werkstätten werden Holzschnitzereien, Schmuck, Baumwollbekleidung und Lederprodukte hergestellt. Rund 80 Prozent der Kunsthandwerker leben mit ihren Familien auf dem Projektgelände, wo sie sowohl Betreuung für ihre Kinder, als auch günstige Wohnungen und kostenlose Gesundheitsversorgung in Anspruch nehmen können. BOMBOLULU ist ein langjähriger Partner von El Puente und dritte-welt partner.

Treasures of Africa ist ein Privatunternehmen in der kenianischen Stadt Machakos. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, die Einkommensmöglichkeiten und Lebenssituation der Projektpartner zu verbessern und das traditionelle Handwerk zu fördern. Dabei werden vor allem lokal verfügbare Naturmaterialien in hoher Qualität verarbeitet. Das Unternehmen arbeitet derzeit mit 20 Produzentengruppen und rund 300 einzelnen Handwerkerinnen und Handwerkern zusammen, die Specksteinprodukte und traditionelle Körbe aus Sisal herstellen. Sie erhalten für ihre Produkte Preise, die ca. zehn Prozent über den Marktpreisen für diese Produkte liegen. Dank des Fairen Handels können sie eine Vorfinanzierung bis zu 50 Prozent erhalten. Zum Service von Treasures of Africa gehören Schulungen zur Verbesserung der Produktqualität, sowie Kurse in Buchführung und Vermarktung. Der Frauenanteil unter den Produzenten ist mit 60 Prozent besonders hoch, die Zusammenarbeit mit Treasures of Africa gibt den Frauen mehr Selbstständigkeit. Die gepa arbeitet seit 1992 mit Treasures of Africa zusammen.


Ghana

Zum traditionellen ghanaischen Kunsthandwerk gehören insbesondere die Bildhauerei, Web-, Gold- und Keramikkunst sowie Holzschnitzerei. Die Kunstartikel haben entweder praktische oder religiöse Bedeutung. In Holzwerkstätten im Süden des Landes werden beispielsweise Kochutensilien, Kinderspielzeug, Holzkämme, Stühle und sakrale Gegenstände wie die berühmten Akuaba Fruchtbarkeitspuppen mit charakteristischen flachen Köpfen hergestellt. Bei jungen Frauen sollen Akuabas für einen reichen Kindersegen sorgen.

Fair Trade Producers Society (FPS) wurde Ende der 80er Jahre gegründet und arbeitet nach dem Prinzip des Fairen Handels. Das Unternehmen bietet den Projektpartnern Vorfinanzierung sowie technische und organisatorische Unterstützung bei Herstellung und Vertrieb der Produkte. Die Organisation unterstützt rund 2.000 Korbflechterinnen und Korbflechter aus den nördlichen Regionen Ghanas, die die traditionellen Bolgatanga-Körbe aus speziellem Savannengras in Handarbeit herstellen. Die Produktpalette umfasst außerdem Palmwein, Zitonengrastee, Leder, Web- und Tonwaren, aber auch traditionelle Instrumente Ghanas wie Trommeln, Rasseln, Gongs und Xylophone sowie Wandmasken und Skulpturen.

1998 wurde in Ghana die Getrade Fair Trade Producer Society, eine Export- und Marketingorganisation gegründet. Derzeit hat die Organisation rund 1.000 Mitglieder. Die Organisation hat sich zum Ziel gemacht, das traditionelle ghanaische Handwerk zu bewahren und zu fördern. Ein weiteres Ziel ist der Schutz natürlicher Ressourcen. So wurde ein Aufforstungsprojekt initiiert, das mit der Holzschnitzer-Kooperative in Aburi realisiert wird. Ein Teil der Holzschnitzereien kommt aus Foase, einem wichtigen Zentrum der Holzschnitzerkunst in der Nähe der Großstadt Kumasi. Die Kunstwerke stellen u.a. die traditionellen Fruchtbarkeitsfiguren der Akan-Völker dar. Für ihre Holzfiguren erhalten die Künstler im Fairen Handel 20 bis 30 Prozent mehr als auf dem kommerziellen Markt. Ein überlebenswichtiger Aspekt ist auch die Kontinuität der Zusammenarbeit durch langfristige Aufträge, über die die Handwerker soziale Sicherheit und Perspektiven bekommen. Die Organisation bietet den Produzenten Kredite, Weiterbildungsseminare sowie Vorfinanzierung von 50 bis 75 Prozent des vereinbarten Produktpreises. Die Produktpalette umfasst neben den Holzfiguren auch die traditionellen Bolga-Körbe. Derzeit werden 97 Prozent der Waren über den Fairen Handel vertrieben. gepa und El Puente arbeiten seit vielen Jahren mit Getrade Fair Trade Producer Society zusammen.

Eine weitere private Organisation in Ghana ist Mysha. Das Unternehmen fördert seit 1993 das ghanaische Handwerk und organisiert die Vermarktung der hergestellten Produkte. Ziele von Maysha sind unter anderem die Unterstützung von Kleinbetrieben, die Verbesserung des Lebensstandards der Produzenten sowie eine langfristige Zusammenarbeit mit den Partnern. Ein wichtiger Aspekt dabei ist der Schutz der Umwelt. So werden z.B. die Holzschnitzereien aus schnell nachwachsendem Osesse-Holz hergestellt. Zum Mysha-Sortiment gehören traditionelle Masken aus Ton und Holz, aber auch Musikinstrumente und Fruchtbarkeitsfiguren. Die Produktpalette von Mysha wird in Deutschland durch dritte-welt partner vertrieben.